Die Freisinnige Zeitung zur Kanzlerkrise

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Neue Freie Presse, 19. März 1890

Berlin, 18. März. Die Freisinnige Zeitung berichtet zur Vorgeschichte der Kanzler-Krise: Der Kanzler habe zum Reichstagsschlusse nicht nach Berlin kommen wollen, er sei erst durch eine dringende Depesche Bötticher’s dazu bewogen worden. Die Arbeiter-Erlässe des Kaisers seien, von Hintzpeter redigirt, dem Kanzler nur fix nnd fertig vorgelegt worden. Auch die Ernennung des Freiherrn v. Berlepsch zum Handelsminister sei dem Fürsten Bismarck nicht genehm gewesen. Anläßlich einer Controverse im Ministerrathe vor zehn bis zwölf Tagen habe der Kanzler sein Entlassungsgesuch angekündigt; der Ministerrath habe dies aber ruhig aufgenommen wie etwas, was man kommen gesehen. Von da ab sei auch das Verhältniß zwischen dem Kanzler und Bötticher gespannt gewesen. Auch die Verleihung des Schwarzen Adler-Ordens an Puttkamer sei keine Freundlichkeit gegen den Kanzler gewesen. Eine neue Controverse angeblich über Vermehrung der Fabriks-Inspectoren, sei in den letzten Tagen entstanden. Für diese Mittheilung muß der Freisinnigen Zeitung die Verantwortung überlassen werden.

Dem genannten Blatte zufolge ist die Dienerschaft im Palais des Kanzlers eifrig mit dem Einpacken beschäftigt, was durch die seinerzeit gemeldete Aufnahme des Bismarck’schen Privat-Inventars erleichtert worden ist.

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