Gefaßter Automaten-Marder

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Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, 20. März 1890

Gefaßter Automaten-Marder. Seit einiger Zeit hatte der Chokoladen-Fabrikant Herr Sch. in der Schönhauserstraße die unangenehme Entdeckung gemacht, daß der vor seinem Laden angebrachte Automat in der frechsten Weise geplündert werde. An Stelle der Nickel fand Herr Sch. nur Blechstücke vor und zwar an einem Tage allein 20 Stück, so daß der Schaden ein ziemlich beträchtlicher war. Trotz eifrigsten Aufpassens wollte es aber nicht gelingen, des Thäters habhaft zu werden. Im Gegentheil zeigte der Apparat eines Tages deutliche Spuren, daß der Apparat eines Tages deutliche Spuren, daß die Einwurfsstelle etwas ausgefeilt war,damit die Blechstücke besser hineingingen. Unter diesen Umständen stellte Herr Sch. zuletzt den Automat nur noch als eine Diebesfalle auf, um den Dieb zu ermitteln und wirklich gelang es am Montag, den Patr festzunehmen. Am selben Mittag war es, als ein etwa zwölfjähriger Schulknabe an den Apparat trat und etwas hineingleiten ließ. In dem Augenblick, als er die Süßigkeit spendende Klappe ziehen wolte, hatte ihn aber auch schon die Hand des Herrn Sch. gepackt. Ein Schutzmann wurde gerufen, und nachdem die Oeffnung des Automaten egeben, daß der Bursche ein Blechstück hineingeworfen, ward er von dem Beamten zur Wache sistirt. Auf dem Wege dorthin machte er noch einen Fluchtversuch, wurde aber bald eingeholt und auf das Revier gebracht, woselbst ihm bei der Visitation noch etwa ein Dutzend falscher Nickel abgenommen wurden. Der hoffnungsvolle Knabe ist der Sohn wohlhabender Eltern und besucht eine höhere Lehranstalt. Den Raub will er stets mit Kameraden getheilt haben.

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