125 Jahren Bismarckrente

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Heute wird der 125. Jahrestag gefeiert, an dem die Bismarckrente mit einer knappen Mehrheit im Reichstag von 185 gegen 165 Stimmen und bei vier Enthaltungen eingeführt wurde. Über die Zeit sind ein paar Dinge dabei vergessen worden:

  • Die Sozialdemokraten sahen 1889 im neuen System zwar einen richtigen Schritt hin zum Sozialismus, stimmten aber, wie übrigens bei fast allen ähnlichen Gesetzen, gegen das Gesetz. In unserer Zeit sind ihre Nachkommen bei SPD, Grünen und Linkspartei dafür die größten Fans. Die Konvergenz der Systeme von Sozialdemokratie und Sozialaristokratie à la Bismarck bezeichnete der Anarchist Erich Mühsam später treffend als „Bismarxismus“.
  • Es gab auch vorher schon Möglichkeiten, für sein Alter vorzusorgen, etwa mit genossenschaftlichen Pensionskassen oder einfach privatem Ansparen. Das wurde durch das staatliche Zwangssystem schrittweise plattgemacht. Die Arbeiter in den großen Fabriken waren dabei auch keineswegs die hungernden Proletarier, als die sie die sozialistische Weltsicht sehen wollte und will. Ganz im Gegenteil ging es ihnen überdurchschnittlich gut. Arm waren Menschen auf dem Land, die erst mal gerade nicht in das System gezwungen wurden.
  • Das System war von vornherein unseriös: angeblich teilten sich Arbeiter, Arbeitgeber und das Reich die Kosten. Insofern auch der Arbeitgeberanteil vom Arbeitnehmer mit erwirtschaftet werden muß, handelt es sich um eine scheinbare Aufteilung. Noch besser lag es mit dem „Reichszuschuß“. Das Reich finanzierte sich nämlich hauptsächlich aus indirekten Steuern und Zöllen, die im Zuge der Schutzzollpolitik hochgeschraubt worden waren. Diese indirekten Abgaben vor allem auf Lebensmittel und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs wurden ganz regressiv von den weniger bemittelten Klassen aufgebracht, die auf diese Weise hintenherum zur Kasse gebeten wurden.

Hier die Kritik von Eugen Richter aus dem Jahr 1889. Manches hat sich seitdem geändert, aber das Prinzip ist das gleiche geblieben:

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