Humor nach Gutsherrenart

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Berliner Gerichtszeitung, 1. Januar 1863

Herr von Thadden-Triglaff, von 1848 berühmt durch seinen geistreichen Ausspruch: „die freie Presse soll leben, aber der Galgen daneben!“ hat in der Pommerschen ökonomischen Gesellschaft eine Rede gehalten, worin folgender humoristischer Passus vorkommt: „Ein Mitglied hat in hochtönenden Versen uns „die Ritter vom Pfluge“ genannt. Ich nehme aber noch einen höheren Titel für uns in Anspruch., ich sage, wir sind noch immer die alten Raubritter und Wegelagerer der vorigen Jahrhunderte, mit dem geringen Unterschiede, daß wir jetzt nur innerhalb der eigenen Grenzen nach einem Kampf mit der Natur, das eigenste Eigenthum davon tragen. — Raubritter und Wegelagerer! Ich frage Euch, müssen wir nicht am Wege lagernd im Frühjahr mit Pflug und Egge, Wagen u. s. w. rechts und links ausbrechen, um dann im Herbst durch heißen Schweiß erkämpft die Ernte als Raub und Beute davon zu tragen? „Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand!“ sagt der Dichter. „Aus der Wolke ohne Wahl, zuckt der Strahl!“ Mit der unterirdischen Demokratie: Ratten, Mäusen, Maulwürfen (lebhaftes Bravo), zu welchem Ende wir jedoch Alliance mit den orientalischen Giftstellern eingehen mußten. Raubritter, Wegelagerer, Banditen! erhebt Eure Gläser, unser ungefangener, ungehangener, für immerwährende Zeiten amnestirter Garibaldi (der Vorsitzende war gemeint) unter allen Gestalten derselbe, er lebe hoch!“ — Ob die Herren wirklich alles selber gethan, was der Redner so glänzend dargestellt, ob nicht den größeren Theil des Schweißes dabei vergossen habem der Tagelöhner, der Arbeiter und der Knecht, denen man die Militairzeit verlängern, die Prügelstrafe gnädigst wieder zudictiren, die Freizügigkeit und das Wahlrecht rauben, mit selbstherrlicher Polizei unbeschränkt gebieten, ihnen überhaupt alle Segnungen des feudalen Regiments, Heirathsconsensus, Gebundenheit an die Scholle u. s. w. dafür zum Lohn gewähren möchte? Der Magd nicht zu vergessen, bei der das ius primae noctis auch so übel nicht wäre.

Siehe auch: Lebensgeschichte eines Mecklenburgers

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