Vanitas! Diplomatum Vanitas!

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Kladderadatsch, 4. Januar 1863

Ich hab‘ mein Sach‘ auf Nichts gestellt,
Juchhe!
Drum ist so wohl mir in der Welt;
Juchhe!
Und wer als ächter Diplomat
Großmächtig lenken will den Staat,
Der folge meinem Rath.

Ich stellt‘ mein Sach‘ ganz wohlgemuth,
Juchhe!
Zuerst auf Eisen und auf Blut;
O weh!
Allein das Eisen war nicht scharf,
Das Blut man nicht vergießen darf,
Weßhalb ich’s bald verwarf.

Drauf stellt‘ mein Sach‘ ich sans façon,
Juchhe!
Auf ein Oelblatt aus Avignon;
O weh!
Die Judenpresse, frech und spitz,
Nannt‘ es ’nen abgelegten Witz
Herrn Elihu Burrits.

Ich stellt‘ mein Sach‘ auf kühnes Drohn,
Juchhe!
Mit einer großen Action;
O weh!
Doch außen rings Opposition,
Und innen Streit und Confusion —
Das stört die Action.

Ich stellt‘ mein Sach‘ auf Cassels Trutz,
Juchhe!
Auf fremden Volksrechts biedern Schutz;
O weh!
Doch kaum war mein Feldjäger dort,
War Herr von Schmerling schon am Ort,
Und — man gab nach sofort.

Ich stellt‘ mein‘ Sach‘ auf Dänemark,
Juchhe!
Im Bund mit Oestreich fest und stark;
O weh!
Doch Würzburgs Delegirtenstrauß
Drängt mich am End‘ zum Bund hinaus,
Dann ist’s auch damit aus!

Ich hätt‘ aus alten Sympathie’n
Juchhe!
Ganz gern mein‘ Sach‘ gestellt auf — IHN;
O weh!
Doch soll ein schlimmer Freund ER sein!
Ich fürcht‘, ER stellt mir gar ein Bein —
Dem Reinen ist Alles — Rhein!

Ich stellt‘ mein Sach‘ am liebsten schon,
Juchhe!
Auf Kammer und Constitution;
O weh!
Doch wenn die Letzte „Lücken“ hat,
Und wenn die Erste Tücken hat,
Dann kriegt man Beide satt.

Drum hab‘ mein‘ Sach ich ganz und gar,
Juchhe!
Auf Nichts gestellt im neuen Jahr;
Juchhe!
Noch vierzehn Tage wird’s schon gehn,
Dann muß von selber was geschehn,
Dann — werden wir weiter sehn!

Kladderadatsch.

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