Ein russischer Gnadenact

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Die Presse (Wien), 7. Januar 1863

[Ein russischer Gnadenact.] Dem Czas wird aus Kiew gemeldet: Der wegen Verbreitung des „Kolokol“ zum Tode verurtheilte Oberst Krasucki ist vom Kaiser zu zwölfjähriger Bergwerksarbeit in Sibirien begnadigt worden unter Verlust aller Standesrechte. Letzteres sollte aber auf Befehl des inzwischen verstorbenen General-Gouvrneurs Wasilczykoff als feierlicher Act öffentlich an dem Verurtheilten vollzogen werden. Vor der in Parade aufmarschirten Garnison erschien der General mit zahlreichem Gefolge; Krasucki in Uniform und mit allen seinen Orden wurde an den Pranger gestellt, worauf ihm der Scharfrichter Schleifen und Orden abriß, die Uniform zerschnitt, den Degen über dem Kopfe zerbrach und dem Unglücklichen zweimal ins Gesicht schlug. Als ihm der Henker auch das Madonnenbild, das er an einem Bande trug, abreißen wollte, widersetzte sich der Oberst unter allgemeinem Murren des Militärs und des Volkes; das Bild wurde ihm gelassen. Die unglückliche Frau,. welche ihren Mann bei dieser Gelegenheit wenigstens noch einmal sehen wollte, verlor den Verstand. Die Frau des Generals Wasilczykoff verlor nach dem Tode ihres Mannes ebenfalls den Verstand.

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