Die gute alte Zeit auf dem Altenteil

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Berliner Gerichtszeitung, 22. Januar 1863

— Das sogenannte „Altentheil“ führt unter der ländlichen Bevölkerung von Alters her zu den größten Verbrechen, Schandthaten und Rohheiten. Vor einigen Tagen starben in Dammhausen die beiden Altentheiler Segelke unmittelbar hintereinander. Das allgemeine Gerücht behauptete, die Verstorbenen seien lediglich vor Hunger umgekommen, weil der Stellenbesitzer Johann Bartels zu Dammhausen, welcher die verstorbenen Altentheiler zu verpflegen hatte, denselben die gehörige Nahrung nicht habe zukommen lassen. Das Unglaubliche ist leider Wahrheit; bei der angestellten Untersuchung der Leichen erklärte der Gerichtsarzt, die erwähnten Altentheiler seien in Folge einer durch fortgesetzte Nahrungsentziehung herbeigeführten Entkräftung gestorben. Da darf man sich nicht wundern, daß an den Thoren mancher kleineren Stadt, z. B. im nahen Müncheberg eine Keule hängt mit der Unterschrift:

„Wer seinen Kindern giebt das Brod Und leidet selber Noth, Den soll man schlagen mit dieser Keule todt.“

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