Ein freier Mann

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Friedrich Stoltze, 1840er Jahre

Euch neid’ ich nicht, ihr armen Thoren,
Die ihr vor einem Throne kreucht!
Ich bin ein freier Mann geboren
Und habe nie mein Haupt gebeugt.
Mögt ihr auch Band und Würden tragen,
Und brüsten euch im Viergespann,
Müßt doch die Augen niederschlagen
Vor einem schlichten, freien Mann!

Kredenzt euch auch in goldnen Kelchen
Den Wein bei Hof ein Kammermohr,
Von Schweiß und Blut des Volkes schwelgen
Bewahre mich mein Gott davor!
Mir soll die Quelle wohl behagen,
In welche keine Thräne rann, —
Müßt doch die Augen niederschlagen
Vor einem schlichten, freien Mann!

Dehnt ihr euch auch auf seidnen Kissen,
So sein gewebt wie Hofeslist,
Mein reines, ruhiges Gewissen
Mir doch ein unsicher Bette ist!
Mich deckt mein rauher Mantelkragen,
In den sich keine Tücke spann, —
Müßt doch die Augen niederschlagen
Vor einem schlichten, freien Mann!

Mag euch ein Glanz der Krone freuen
Solch’ kalte Sonne freut mich nicht!
Die Sonne Gottes müßt ihr scheuen,
Die bringt die Lüge an das Licht.
Ich darf’s getrost zur Sonne sagen:
„Bring’s du zu Tage, was ich sann!“
Müßt doch die Augen niederschlagen
Vor einem schlichten, freien Mann!

Mögt ihr euch laben aus der Ferne
An eines Fürsten Brustgeschmeid’,
Ich blicke auf zum Morgensterne,
Was kümmert mich der Stern am Kleid!
Zum Sterne, den kein Rost zernagen
Und den kein Tiegel schmelzen kann.
Müßt doch die Augen niederschlagen
Vor einem schlichten, freien Mann!

Euch neid’ ich nicht, ihr armen Thoren,
Die ihr vor einem Throne kreucht,
Ich bin ein freier Mann geboren
Und habe nie mein Haupt gebeugt!
Mögt ihr auch Band und Würden tragen,
Und brüsten euch im Viergespann,
Müßt doch die Augen niederschlagen
Vor einem schlichten, freien Mann!

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