Zur Tagesgeschichte

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Die Presse (Wien), 21. Januar 1863

[Zur Tagesgeschichte.] Das heute vielfach verbreitete Gerücht von der Aufstellung ums österreichischen Beobachtungscorps an der serbischen Grenze wird uns von unterrichteter Seite als nicht begründet bezeichnet. Seine Entstehung dürfte dieses Gerücht der auch von uns erwähnten, über Marseille telegraphirten Konstantinopler Nachricht verdanken, welche von einer Concentrirung russischer Truppen in Bessarabien sprach. Diese Marseiller Nachricht ist bereits von Pariser Blättern als aus der Luft gegriffen bezeichnet worden, und auch in hiesigen russischen Kreisen versichert man auf das bestimmteste, daß Rußland jeder derartigen Demonstration fernsteht. Die „General-Correspondenz“ erklärt überdies heute in ganz officiöser Weise, daß zwar in Nord-Albanien unter Derwisch Pascha und in der Herzegowina unter Abdi Pascha türkische Truppen concentrirt sind, und auch an der serbischen Grenze Truppenansammlungen von Seite der Pforte stattfinden dürften, daß endlich russische Truppenbewegungen im Königreich Polen vorkommen mögen, wo man behufs der Recrutirung auf dem flachen Lande mobile Truppen-Colonnen organisirt, daß jedoch von Bewegungen k. k. Truppen durchaus nichts bekannt ist.

Hintergrund

Albanien und Bosnien und Herzegowina gehören 1863 zum osmanischen Reich. Das Königreich Polen (auch Kongreßpolen genannt) wird von Rußland beherrscht. Die Rekrutierungen haben einen bestimmten Zweck. Hierdurch sollen nämliche mögliche Aufständische aus dem Verkehr gezogen werden. Die Dienstzeit in der russischen Armee beträgt fünfzehn Jahre.

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