Illustration zu den preußischen Festen

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Die Presse (Wien), 26. Januar 1863

[Illustration zu den preußischen Festen.] Nach der Volkszeitung ist nun auch gegen den Baron Vaerst der Anfang zu einer ehrengerichtlichen Untersuchung gemacht, indem der Ehrenrath der verabschiedeten Stabsofficiere an ihm die Anfrage gerichtet hat, ob er derselbe sei, welcher 5 Thlr. monatlich für den Nationalfonds gezeichnet habe, eine Anfrage, die Herr v. Vaerst natürlich bejaht hat. Die officiellen Vorbereitungen zu der Jubelfeier von 1813 gewinnen in der That eine eigenthümliche Beleuchtung durch derartiges Vorgehen gegen einen Mitkämpfer der Befreiungsschlachten, wie v. Vaerst, und gegen einen Geschichtsschreiber derselben, wie Beitzke. Vaerst ist 1813 als Knabe von 14 Jahren bei einem Cavallerie-Regimente als Gemeiner eingetreten, und hat als solcher die Feldzüge von 13 und 14 mitgemacht. 1815 zum Officier befördert, hat er sich auf dem Schlachtfelde von Ligny das eiserne Kreuz erworben. In anderen Zeiten und bei anderen Völkern würde man einen solchen Mann bei einer Jubelfeier wie die gegenwärtige mit den höchsten Ehren überhäufen; heute in Preußen stellt man ihn wegen freier Ausübung seiner Rechte als Staatsbürger vor Gericht.

Anmerkungen

  • Die angesprochenen preußischen Feste sind die Fünfzigjahrsfeiern für die Schlachten der Befreiungskriege, vor allem die Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813).
  • Für eine deutsche Vereinigung einzutreten, ist ein Anliegen der Linken in der Zeit, etwa der Deutschen Fortschrittspartei. Die Rechte in Preußen (und anderen Staaten) ist dagegen. Entsprechend werden „Patrioten“ vom preußischen Staat verfolgt. Hier trifft es Hermann Hans Baron von Vaerst, der später Reichstagsabgeordneter für die Nationalliberalen sein wird. Der erwähnte Historiker ist Heinrich Beitzke von der Fortschrittspartei.
  • Das Eiserne Kreuz wurde 1813 gestiftet als erster Orden, der nur für die Leistungen und nicht nach Rang oder Herkunft verliehen wird. In den Befreiungskriegen ist es eine exklusive Auszeichnung und wird recht sparsam vergeben mit nur etwa 10.000 Trägern. Im ersten und zweiten Weltkrieg kommt es zu einer Inflation mit millionenfacher Verleihung.

Siehe auch:

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