Aus Galizien

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Die Presse (Wien), 7. Februar 1863

Aus Galizien, 4. Februar. (Zur polnischen Bewegung.) Die Bewegung in Congreßpolen fängt an, auf unsere galizischen Zustände einen gewissen Rückschlag auszuüben. Die Gährung ist im Steigen, und es ist bereits Werbern möglich geworden, einige Dutzend junger Leute für die Insurections-Armee jeneits der Grenze zu ködern. Die Angeworbenen erhielten 8 bis 10 Rubel Handgeld und ein Paar Stiefel, und sollten sich, mit Dolchen und Pistolen bewaffnet, über die Grenze schleichen. Ein Theil derselben wurde bei Zolkiew aufgegriffen und nach Lemberg transportirt, wo sie vorläufig in der Infanterie-Kaserne untergebracht wurden. Da sie sehr herabgekommen und zerlumpt sind, kam man ihrem ersten und dringendsten Bedürfnisse mit einem tüchtigen Male zu Hilfe. Gestern wurde in Lemberg folgende Kundmachung publicirt:

Im Grunde des §. 42 des kaiserlichen Patentes vom 24. October 1852, Z. 223 (LXVII. Stück des N. G. B.), wird verordnet, daß von nun an bis auf Weiteres der Ankauf jeder Gattung von Waffen in Lemberg und Krakau nur gegen eine von der k. k. Polizei-Direction auszustellende Licenz stattfinden darf. Sämmtliche zur Anfertigung und zum Verkauf von Waffen befugte Gewerbs- und Handelsleute werden verpflichtet, über die stattfindenden Verkäufe genaue Verzeichnisse zu führen und denselben die Licenzscheine der Polizei-Direction beizulegen. Vom galizischen k. k. Statthalter. Lemberg, 3. Februar 1863. Mensdorff-Ponilly.“

Die Krakauer Polizei-Direction hat heute ebenfalls eine Kundmachung gegen die Theilnahme an der Bewegung in Congreßpolen erlassen, wie das bekanntlich früher die Lemberger Polizei-Direction gethan. Diese Krakauer Kundmachung lautet:

Die k. k. Polizei-Direction sieht sich laut einer heute erschienenen Kundmachung veranlaßt, die Bewohner aufmerksam zu machen, daß alle auf Hochverrath und Störung der öffentlichen Ruhe abzielenden Handlungen, wenn diese gegen einen andern fremden Staat unternommen werden, insoferne durch besondere Verträge die Gegenseitigkeit verbürgt und im Kaiserthume Oesterreich gesetzlich kundgemacht ist, das Verbrechen der Störung der öffentlichen Ruhe begründen und nach der Bestimmung des §. 66 des Strafgesetzes mit Kerker von einem bis zu fünf Jahren, bei erschwerenden Umständen mit schwerem Kerker von fünf bis zu zehn Jahren bestraft werden. Die Bewohner der Stadt Krakau werden daher ermahnt, sich von jeder Betheiligung an sem im Königreiche Polen ausgebrochenen Aufstande fernezuhalten.

Die erwähnte k. k. Behörde hofft von dem gesunden Sinne der Bevölkerung, daß die Ordnung und Ruhe durch keinerlei Ausschreitungen gestört und die Behörden nicht in die Nothwendigkeit versetzt werden, gegen Uebertreter die Strenge des Gesetzes anwenden zu müssen.

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