Das arabische Kaiserthum

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Die Presse (Wien), 12. Februar 1863

Paris, 9. Februar. (Das arabische Kaiserthum.) Das Schreiben des Kaisers, worin Napoleon III. sich als Kaiser der Araber proclamirt, an den Marschall Pelissier über die definitive Constituirung der arabischen Stämme in Algier als Landeigentümer ist die Einleitung zu einem demnächst dem Senat vorzulegenden Gesetzvorschlag, welcher nach harten Kämpfen im Ministerium angenommen worden. Es ist namentlich der Kriegsminister, der auch heute noch gegen die Durchführung des Planes ist. Bekanntlich standen sich zwei Ansichten gegenüber: die eine, nach der die augenblicklich von den Stämmen innegehabten, zerstreut liegenden Ländereien ihr Eigenthum werden; die andere, nach der ihnen äquivalente Strecken an bestimmten Orten angewiesen und sie an dieselben gebunden werden sollten. Diese letzte Maßregel hätte, wenn sie angenommen worden, wahrscheinlich die Entfernung der Araber aus Algier vollendet. Es ist daher anzuerkennen, daß der Kaiser sich für den andern Plan entschlossen, welcher den Arabern wenigstens Gelegenheit gibt, im Lande, zu verweilen. Ob dies Ziel erreicht wird, lasse ich dahingestellt. Unverkennbar aber liegt in dieser Begründung eines arabischen Kaiserreichs der Beweis, daß man eigentlich französischerseits auf die Colonisation des Landes verzichtet.

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