Zur Charakteristik der Stimmung

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Die Presse (Wien), 13. Februar 1863

Posen, 8. Februar. (Zur Charakteristik der Stimmung.) Wie das Verhältniß zwischen dem Militär und den Civilbewohnern in unserer Stadt, von denen 99 Percent der Fortschrittspartei angehören, beschaffen ist, mag man aus der Ansprache entnehmen, welche der Hauptmann F. vom sechsten Infanterie-Regiment beim Appell an die hier eingetroffenen Reservisten gehalten hat, und die heute gedruckt in die Oeffentlichkeit gelangt ist. Er sprach nämlich folgendermaßen: Die Reserven der Garnison seien nun durch den Befehl des Allerhöchsten Kriegsherrn wieder zum stehenden Heer eingezogen, aber nicht etwa der Polen wegen, vor denen man nicht einmal den Säbel aus der Scheide zu ziehen brauche, sondern wegen der innern Lage des Landes. Die Abgeordneten, die Hundsfötter, die täglich drei Thaler bekämen, nur in der Kneipe säßen und weiter nichts als großsprechen könnten, wollten den Soldaten nicht einmal ihren Sold bewilligen. Aber man werde der Sache ein Ende machen, und deßwegen habe der König sie wieder berufen. Er vertraue auf ihre bekannte Königstreue, denn Soldaten blieben sie ihr Lebenlang, ob sie nun unter der Fahne ständen oder nicht u. s. w. In dem Bericht wird hinzugefügt, daß gewisse Kraftausdrücke des Hauptmanns F. aus Rücksicht für.die Leser schon abgeschwächt seien. Daß eine solche Anspache hier böses Blut machen müsse, ist begreiflich, und jedermann erwartet entschiedene Maßregeln von der vorgesetzten Behörde.

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