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Lokomotive an der Oder, 17. Februar 1863

Inland. Berlin, 13. Februar. Die Militär-Commission ist heute Morgen gewählt worden. Vorsitzender ist wiederum v. Bockum-Dolffs, Stellvertreter desselben Abg. Behrend; zu drei Schriftführern sind ernannt: die Abgeordneten Leeden, Franck und Lüning. Außerdem sitzen in der Commission die Abgeordneten Harkort, Waldeck, Schulz-Herford, v. Hoverbeck, v. Forckenbeck, Rohden, Sombart, Bassenge-Lüben, Taddel, Gneist, v. Vaerst, Stavenhagen, Beitzke, v. Seydlitz, Virchow, v. Vincke-Stargard. Von den Gewählten gehören elf zur Fortschritts-Partei, acht zum linken Centrum. Der Druck der Protokolle ist beschlossen.

Das Staats-Ministerium hat vorgestern im Conferenz-Zimmer des Abgeordneten-Hauses in Anwesenheit des Kronprinzen über den polnischen Aufstand berathen. An die Regierung ist die Frage herangetreten, welche Stellung sie diesem Aufstande gegenüber einzunehmen hat. Daß es die Absicht der Insurgenten ist, das politische Reich mit Einschluß derjenigen Landestheile, welche früher polnisch waren und jetzt preußisch sind, wieder herzustellen, läßt sich nicht verkennen. Diese Absicht ist indessen bis jetzt weder proclamirt, noch ist die Verwirklichung derselben versucht worden. Zu einer Intervention Preußens in Russisch-Polen berechtigt dieselbe keinesfalls. Nur die eigenen polnischen Landestheile mit allen Mitteln sich sicher zu stellen und gegen den Ausstand zu bewahren, ist Preußen berechtigt und verpflichtet.

Die Correspondenz „Stern“ glaubt mittheilen zu dürfen, „daß der General v. Alvensleben nicht nach Petersburg gegangen ist, um eine Convention abzuschließen, sondern nur, um eine Vereinbarung über den Augenblick provisorisch zu treffen, wo eine combinirte Bewegung der preußischen und russischen Truppen nothwendig werden dürfte, die selbst das Ueberschreiten der Gränze von preußischen Regimentern herbeiführen könnte. Die ganze Angelegenheit ist direct von Sr. Majestät dem Könige ausgegangen, und wenn das Ministerium jetzt Anordnungen trifft, um jeder Eventualität die Spitze bieten zu können, so ist dies eben nur die Folge der Initiative, welche der König ergriffen. Diese Anordnungen umfassen vorläufig die Zusammenziehung der 1., 4. und 11. Division bei Gleiwitz, zwischen Thorn und Kulm und bei Neidenburg, und zwar sollen die Regimenter dieser drei Divisionen auf vollständigen Kriegsfuß gestellt werden, d. h. zu 1000 Mann per Bataillon, Diese Nachricht geht uns heute gleichzeitig aus Breslau, Danzig und Stettin mit dem Hinzufügen zu, daß auch die Garde-Regimenter in Stettin und Breslau Marschordre erhalten haben und daß die Garnison von Breslau, welche ausrückt, durch Regimenter des 5. Armeecorps ersetzt wird. Aus Breslau wird uns außerdem gemeldet, daß die russischen Soldaten, welche bei ihrem Uebertritt über die preußische Gränze entwaffnet worden waren, ihre Waffen in Folge höherer Anweisung zurückerhalten haben.“

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