Die Reaktion in Aktion

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Wie überhaupt in der Reaktionszeit, so litt auch unter der Ausführung dieser Verwaltungsmaxime die Rheinprovinz am meisten, zumal sie noch mit einem besonders tanzfeindlichen Oberpräsidenten gesegnet war. Während die Uckermark noch vierzehnmal im Jahr tanzen durfte, erschien Ende des Jahres 1856 die für die Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts ewig denkwürdige Verordnung der Koblenzer Regierung, welche, „um dem verderblichen Einfluß der öffentlichen Tanzmusiken auf die Sittlichkeit der unteren Volksklasse zu begegnen“ festsetzte, daß an Sonn- und Feiertagen überhaupt nicht, sonst aber höchstens an drei Tagen des Jahres, worunter am Königsgeburtstag, die Unsitte des Tanzens geduldet werden solle. Wohl keine Maßregel der Reaktion hat in der Rheinprovinz eine größere Erbitterung hervor gerufen, wie diese das Nationalgefühl auf’s tiefste kränkende und dem freien Sinn der Rheinländer widerstrebende Verordnung.

Aus: Eugen Richter: Die Freiheit des Schankgewerbes, 1862.

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