General Burnside gibt auf

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Lokomotive an der Oder, 21. Februar 1863

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Amerika. Nach dem New-Yorker Correspondenten der Times ist „der Anfang des Endes“ nahe. Der Eisstoß — sagt er in seinem Schreiben vom 27. Januar — hat begonnen. Das Publikum hat längst den Krieg und die Regierung satt. Dies Gefühl hat sich der Armee mitgetheilt und das neuliche Fiasko der Potomac-Armee hat die Dinge zur Krisis gebracht. Nachdem General Burnside einige Stunden mit dem zähen Schlamm Virginiens gekämpft hatte, beschloß er seine entmuthigte und insubordinirte Armee zum Kampf zu führen, und zwar ohne Wettstreit, da er dieselbe nicht bewegen konnte; denn, meinte er, die Gewitterstürme müßten dem Feinde eben soviel Schaden wie ihm selbst zugefügt haben, und wenn der Feind ohne Kanonen kämpfen könne, so werde er dasselbe vermögen. Aber im Kriegsrath, den er darüber zusammenrief, fand er keinen Offizier, der mit ihm übereinstimmte. Also ergab er sich in sein Schicksal, nahm den Befehl zum Vorgehen zurück, ließ seine Pferde, Wagen und Kanonen im Koth stecken, marschirte mit seinen Truppen in die alte Einquartirung zurück und begab sich nach Washington, um sein Commando niederzulegen. Der Präsident wünschte seine Entlassung nicht anzunehmen, allein General Burnside hörte auf keinen Rath und kein Zureden und trat ab. Die Demoralisation der Armee hat stark um sich gegriffen. Mr. Raymond von der New-York Times, der vorige Woche das Lager besucht hat, erzählt, daß ein Corps von 15,000 Mann, als es ankam, um an General Burnsidss projektirter Bewegung Theil zu nehmen, nur 5000 Mann zählte. Wenn nicht sofort etwas geschieht, um der Armee wieder Muth, Vertrauen und Gehorsam einzuflößen wird sie diesen Winter nicht überdauern. Dies sind die einzigen Erscheinungen, die das Publikum mit Bangigkeit erfüllen.

Anmerkung

General Burnside ist unsterblich geworden, weil seine markante Barttracht nach ihm benannt wurde, allerdings verdreht als: „sideburns“. Außerdem war er der erste Präsident der National Rifle Association.

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