Die neue Hutmode aus Paris

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Berliner Gerichtszeitung, 26. Februar 1863

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— Wie man aus Paris meldet, wird die Kaiserin Eugenie zum Frühlinge die Welt mit einer neuen Hutmode überraschen. Im Allgemeinen wird darnach die bisherige Form der Hüte beibehalten, nur der obere Rand steigt noch einige Zoll höher und unter demselben wird ein äußerst feines Netz von Goldgespinnst angebracht. Dieses Netz nun soll lebende Schmetterlinge, Käfer, u. s. w. enthalten. Man glaubt, daß viele Hände durch den Fang der Thierchen so wie ihre Fütterung Beschäftigung erhalten werden. Wenn diese Nachricht sich bestätigen sollte, so dürften wir wunderbaren Variationen der Mode entgegensehen, denn warum sollte man nicht auch singende Vögel in das Netz stecken oder bei der Vorliebe für die Zwergarten aus dem Hundegeschlecht gar die kleinen Lieblingshündchen der Damen? Ein solcher Hund gäbe dann durch sein freundliches Wedeln oder sein zorniges Bellen gleich zu erkennen, mit welcher Person die Dame vertraut oder nicht vertraut ist. Uebrigens ist der Anfang bereits gemacht, lebende Thiere zur Damentoilette zu brauchen. Auf dem großen Maskenball, der beim Grafen Walewski stattfand, erschien die Vicomtesse von Brimont als — Wald. Im Laubwerk ihrer Bäume tummelten sich lebendige Schmetterlinge, Vögel, Eidechsen und selbst Eichhörnchen. Es wäre interessant, wenn einmal eine Eidechse sich losmachte und in den Busen der Schönen schlüpfte. Welches Gekreisch, welche Anfälle von Ohnmachten, welche Rettungsversuche würde es da geben!

Siehe auch: Der Hut der vierten Dimension

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