Gerüchte über Bismarcks Rücktritt und die Auflösung des Abgeordnetenhauses

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Lokomotive an der Oder, 5. März 1863

— 1. März. Daß Herr von Bismarck am Montag seine Entlassung angeboten hat, wird mit Bestimmtheit versichert, Der englische Gesandte Sir Andrew Buchanan, welcher in seiner Eigenschaft als Botschafter unmittelbaren Zutritt zu dem Könige hat, soll in einer Unterredung mit Allerhöchstdemselben gegen die Convention Vorstellungen gemacht haben, welche des Eindrucks nicht verfehlten. In Folge dessen soll es in einem Cabinetsrathe in Betreff der Convention zu um so lebhafteren Erörterungen gekommen sein, als zwei Mitglieder des Ministeriums ihre Bedenken gegen dieselbe nicht verfehlt hätten. Unter diesen Umständen bot Herr v. Bismarck seine Entlassung an, deren Annahme indeß unter den obwaltenden Verhältnissen um so weniger sogleich erfolgen konnte, als mit der Bildung eines neuen Ministeriums auch umfassende Zugeständnisse in der Militär-Frage nothwendig verbunden sein würden. Die Nachricht, daß Herr Rudolf v. Auerswald in Folge seiner Berufung zum Könige dem Grafen Schwerin, der in Putzar sich befand, telegraphirte, schleunigst nach Berlin zu kommen, ist unbegründet. Sein Bruder, Alfred v. Auerswald, ersuchte den Grafen Schwerin telegraphisch, zu einer Sitzung der Fraction Vincke sich einzufinden, Herr N. v. Auerswald wird übrigens öfter zum König beschieden. — Das Gerücht von einer Auflösung des Hauses der Abgeordneten, welches sich gestern verbreitete, scheint auf einer Aeußerung des Minister-Präsidenten in der gestrigen Debatte zu beruhen, welche so aufgefaßt wird, als sollte die Auflösung des Abgeordneten-Hauses unter dem Einflusse der Polen-Debatte erfolgen. Daß diese Auffassung richtig ist, erscheint zweifelhaft. Möglich in es indessen, daß zwei Dinge erfolgen: zuerst die Auflösung der Kammer und dann ein Wechsel des Ministeriums.

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