Ein großartiges Schlachtenfeuerwerk in rother, bengalischer Blutbeleuchtung

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Berliner Gerichtszeitung, 7. März 1863

— Während in New-York der Luxus nach wie vor seine rauschenden Feste feiert, sieht es auf dem endlosen amerikanischen Schlachtfelde ganz anders aus. Aus Baton Rouge (Louisiana) schreibt ein als Kapitain im Unionsheere dienender ehemaliger Köllner Bürger: „die herrschende Theurung ist hier unerhört. Ein Pfund schlechter Rauchtaback kostet 3 Preußische Thaler, ein Glas Branntwein 1 ½ Thaler, ein Paar gewöhnliche Schuhe 40 Thaler. Eben während ich schreibe, läuft eine schreckliche Nachricht ein. Die 5. Comp. des 4. New-Yorker Freiwilligen-Regiments ist mit ihrem Schiff im Golf von Mexiko gescheitert. Alle mit Ausnahme von Dreien, welche ihr Leben durch Schwimmen retteten, fanden ihren Tod in den Wellen. Mit herzloser Gleichgültigkeit amüsirt man sich darüber, wie die Kerle einen so wässrigen Tod gehabt haben, kein Bedauern hört man von den Kameraden, keine Thräne fällt. Das Menschenleben hat hier keinen Werth mehr und wird als ein Nichts betrachtet. Der Ruf nach Frieden erschallt allerwärts, aber der Krieg wird trotzdem mit großer Energie fortgeführt. Alle Lazarethe sind überfüllt und auf den Straßen stolpert man bei jedem Schritt über Krüppel aller Art. Auf den Straßen wimmelt es von Veteranen mit verbundenem Kopf oder amputirten Armen und Beinen. Alle Waisenhäuser beherbergen Schaaren von Kindern, gefallener Soldaten und Tausender armer, hilfloser Wittwen, deren Ernährer auf dem Schlachtfelde geblieben, rufen nach Hilfe, aber wo ist sie zu finden? Dabei ist wieder Aussicht auf ein großartiges Schlachtenfeuerwerk in rother, bengalischer Blutbeleuchtung. Jüngst wurde die Rebellenhauptstadt Charleston in nächtlicher Weile von den Unionisten recognoscirt. Diese Festung ist ein zweites Sebastopol. Von mehr als 1000 Geschützen vertheidigt, beherrscht sie alle Inseln und Gewässer in der Nähe. Ein mit Eisenplatten beschlagenes bombenfestes Fort, zwei Widderschiffe und eine eisengepanzerte Batterie, nebst einer Armee von 35000 Mann bilden die Wehr der Stadt. Nichtsdestoweniger hoffen die Führer der Unionisten mit ihr in 6 bis 8 Wochen fertig zu werden.

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