Mexicanische Expedition

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Die Presse (Wien), 6. März 1863

Paris, 3. März. (Mexicanische Expedition.) Aus Anlaß des von der Budget-Commission erstatteten, ziemlich energischen Berichtes über die außerordentlichen Credite wird es in einer der nächsten öffentlichen Sitzungen des gesetzgebenden Körpers zu einer Discussion über die mexicanische Expedition kommen. Die vom Postdampfer Shannon gebrachten Nachrichten aus Vera-Cruz vom 1. Februar bringen nichts Günstiges. Die officielle Depeschen stellen ein Vorrücken gegen Puebla im Laufe des Monats März in unbestimmte Aussicht. Der magere Bericht im Moniteur aus Orizaba, 25. Jänner, spricht von der Räumung von Jalapa und erklärt „das Aufgeben dieser Linie“ damit, „daß die fernere Besetzung dieses Punktes unnützerweise Kräfte isolirt hätte, die zu einer thätigeren Rolle bestimmt sind“. Das ist wol das Geständniß, daß Jalapa nicht zu halten war. „Bei den verschiedenen Concentrations-Bewegungen,“ sagt der Moniteur, „hatten unsere Truppen mehrere Treffen, wovon das ernstlichste bei Puente national am 28. December v. J. stattfand,“ was mit anderen Worten heißt, Jalapa wurde geräumt, damit das dortige Corps von der Hauptarmee nicht abgeschnitten werde. Nach dem Moniteur rückte General Bazaine von Perote gegen Tepetitlan vor, wo er am 23. Jänner eintreffen und sich dem General Douai in S. Andres nähern sollte. Der Moniteur versichert, auch das Genie- und Artillerie-Material sei in Orizaba angekommen, und alles sei zum Vorrücken gegen Puebla bereit: Man wird ja sehen. Die hauptsächlichste Noth der Franzosen besteht im Mangel an Lebens-Mitteln, da alle Transporte von Vera-Cruz nach Orizaba fortwährend von den Guerillas bedroht sind. General Forey selbst wurde auf einem Ritte vor die Thore, von Orizaba von Guerillas angegriffen, und entrann der mexicanischen Gefangenschaft nur durch die Schnelligkeit seines Pferdes. Dem Constitutionnel wird aus Quecholac, 28. Jänner, über das Corps des Generals Douai geschrieben, daß dasselbe auf dem Wege von S. Andres dahin die Windmühlen überall zerstört fand, weil der Feind weiß, daß das Mehl eine der Ursachen ist, weßhalb die Franzosen nicht vorrücken. Man mußte also die zerstörten Mühlen wieder herstellen und neue errichten, nur um Brod backen zu können. Von Mehl aus Getreide ist natürlich keine Rede; Ueberfluß herrscht nur an Mais. Jurien de la Gravière liegt mit Forcey fortwährend in Streit.

In Paris ist das Gerücht von der Zurückberufung Forey’s verbreitet. Das wird sich wol nicht bestätigen, aber man spricht davon, daß Forey dem Kaiser geschrieben, es werde nichts übrig bleiben, als mit Juarez zu pactiren. Vielleicht schätzt sich der Kaiser der Franzosen noch glücklich, wenn mit Juarez etwas zu Stande kommt wie jene Convention von Soledad, die Napoleon III. mit solcher Verachtung annullirte, und die ihm, falls er sie seinerzeit annahm, eine große Demüthigung und hundert Millionen Francs mindestens erspart haben würde. Die Unmöglichkeit, die mexicanische Gesellschaft zu retten, stellt sich somit bereits schlagend heraus. Die großen Entwürfe des Kaisers zerplatzen wie Seifenblasen. Und der verachtete, geschmähte, mit dem bonapartistischen Bannfluch belegte Halbindianer Juarez muß es sein, der den Franzosen eine solche Niederlage bereitet.

Dem Londoner Herald wird aus Paris geschrieben, „Ich höre von zuverlässiger Seite, daß die Regierung Nachrichten aus Mexico erhalten hat, welche sie sehr in Verlegenheit setzen, General Forey gibt die Hoffnung, Puebla einzunehmen, auf, wenn er nicht bedeutende Unterstützung erhält. Die Befestigungswerke, schreibt er, seien sehr stark, und in der letzten Zeit noch immer mehr ausgedehnt worden. Zwar könne er Puebla zur Seite liegen lassen und auf Mexico vorrücken; für die Folgen einer solchen Maßregel wolle er jedoch nicht einstehen. Die allgemeine Stimmung der Bevölkerung sei den Franzosen höchst feindlich, und die Regierung Juarez‘, was auch ihre Fehler sein möchten, sei die beste, die Mexico seit langer Zeit gehabt habe. Schließlich empfiehlt Forey der Regierung, entweder sehr umfassende Verstärkungen zu schicken, oder sich auf dem kürzesten Wege aus der Sache zu ziehen. Aus einer anderen Quelle erhalte ich die Mittheilung, daß der Kaiser dem General Forey bedeutet hat, er könne bei der gegenwärtigen Lage der Dinge in Europa keine Truppen entbehren, um sie nach Mexico zu senden.“

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