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Mehr zufällig sind wir eben auf das hier gestoßen, und zwar im Artikel über die Todesstrafe:

„1870 verabschiedete der Norddeutsche Bund ein allgemeines Strafrecht: Deshalb wurde im Reichstag erstmals über die Todesstrafe debattiert. Vor allem Wilhelm Liebknecht sprach sich gegen sie aus; nach seiner Rede stimmte in zweiter Lesung eine Mehrheit von 118 zu 81 Abgeordneten der Abschaffung zu.“

Das Komische daran ist: Es geht um die Zweite Lesung über die Frage, ob im Strafgesetzbuch die Todesstrafe sein soll oder nicht. Die Debatte fand am 28. Februar 1870 statt und wurde am 1. März 1870 fortgesetzt, wo auch die Abstimmung stattfand.

Nun das Bemerkenswerte: „Vor allem Wilhelm Liebknecht sprach sich gegen sie aus; nach seiner Rede …“ — aber eine Rede ist nirgendwo im Protokoll zu finden. Und was noch bemerkenswerter ist: Wilhelm Liebknecht fehlt bei der Abstimmung und ist möglicherweise nicht einmal während der Sitzung anwesend.

Aber trotzdem schafft der das alles! — Respekt.

[Die Fortschrittspartei stimmt gegen die Todesstrafe. Man findet auch „Richter“ unter den Nein-Stimmen (auch bei der dritten Lesung am 23. Mai 1870). Das ist allerdings in dem Fall nicht Eugen Richter, der diesem Reichstag nicht angehörte, sondern Gustav Reinhold Richter, der aber auch Mitglied der Fortschrittspartei war.]

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