Die Invasion der Bierflüchtlinge

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von Henning Helmhusen

Sie kommen aus aller Herren Länder und suchen ein Zelt über dem Kopf, eine wahre Völkerwanderung hat sich auf den Weg nach Bayern gemacht: die Bierflüchtlinge. Hinter ihnen liegt oft eine lange und beschwerliche Fahrt, bei der sie durch Gebiete mit unmenschlichem Bier (Alt, Kölsch, belgisches Schokoladenbier, Bud Light) mußten. Schlepper haben sie mit Verheißungen eines „Oktoberfests“ angelockt und kassieren nun horrende Preise für die Maß. Und auch wenn man ihren Wunsch nach einem besseren Leben verstehen kann: Dieses Jahr ist München an der Belastungsgrenze, wenn nicht darüber.

Gehen wir die Zahlen einmal nüchtern durch: Während der sechzehn Tage, die das Oktoberfest dauert, gab es 2014 nicht weniger als 6,3 Millionen Besucher, also gut 390.000 pro Tag.

Nach einer Umfrage von 2008 verteilten sich die Besucher dabei wie folgt:

  • 60% kamen aus München
  • 12% aus Bayern
  • 9% aus Preußen (also etwa Baden-Württemberg oder Sachsen)
  • 19% aus dem restlichen Ausland

Mit anderen Worten: 40% der Gäste kamen von auswärts, was also im Schnitt pro Tag über 150.000 Menschen bedeutet. Von diesen übernachteten 65% gemäß derselben Umfrage in München, also etwa 100.000, was sich weiter aufteilte wie folgt:

  • 65% kamen in Hotels, Jugendherbergen, auf Campingplätzen, usw. unter
  • 35% bei freiwilligen Helfern.

Angesichts dieser Zahlen kann man leicht verstehen, wieso München am Rande eines Kollapses steht: es müssen im Schnitt mehr als 60.000 Menschen in angemieteten Unterkünften untergebracht werden, weitere 30.000 Menschen auf privater Basis. Doch das kann unmöglich gehen! Denn erinnern wir uns: die Belastungsgrenze war vor kurzem bereits erreicht, als etwa 10.000 bis 12.000 Nicht-Bierflüchtlinge in München ankamen, die relativ schnell in andere Teile Deutschlands weitergeleitet wurden. Von daher ist es verständlich, daß der Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter einen Hilfeschrei in seiner Mundart ausstieß: „Ozapft is!“

Demonstrativ quartiert man nun Bierflüchtlinge in Zelten ein und läßt einige von ihnen sogar auf dem Boden am Bahnhof schlafen, um auch den Medien klarzumachen, daß es einfach keine Kapazitäten mehr gibt. Die Botschaft ist klar: München ist am Limit! Und sofort meldete sich auch Horst Seehofer zu Wort und forderte Grenzkontrollen am Main und eine gerechte Verteilung der Wiesn-Besucher auf die Bundesländer.  Durch unverschämte Bedienung, hohe Bierpreise und zu laute Musik sollen Bierflüchtlinge außerdem davon abgehalten werden, weiter nach München zu kommen.

Aber auch Bayern ist mit dem Oktoberfest überfordert. Horst Seehofer mahnte, daß es sich um eine nationale, ja europäische Aufgabe handle, die Bierflüchtlingskrise zu lösen. Die Bundesregierung signalisierte umgehend Soforthilfe. So möchte Innenminister Thomas de Maizière für europäische Quoten Druck machen: mit Oktoberfesten in Athen, Barcelona, Palermo und Budapest könnte man München entlasten. Wenn die Bierflüchtlinge illegal weiter nach München wollten, müßten sie notfalls mit Zwang auf die anderen Oktoberfeste verteilt werden. Diesen fieberhaften Aktivitäten kann sich sogar David Cameron nicht entziehen: er kündigte an, über die nächsten zehn Jahre ein Bierzelt für bis zu 100 Gäste aufstellen zu lassen. Ähnliche „We can“s kommen auch aus Washington. Von daher wird Angela Merkel wohl recht behalten: „Wir schaffen das.“

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