Hier sind endlich die Grenzen der Zuwanderung

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In der gegenwärtigen Diskussion trifft man häufig auf das folgende Argument:

Es muß endlich anerkannt werden, daß es Grenzen der Zuwanderung gibt!

Der Unterton der Aussage ist dabei, daß man etwas Selbstevidentes ausspricht, das nur ein Narr bestreiten könnte. Und da man davon ausgeht, daß Vertreter von offenen Grenzen für ihre Position dem Argument widersprechen müßten, glaubt man sie damit gestellt zu haben. Eine grenzenlose Einwanderung geht nicht und ist von daher ein Unding!

Die Schlußfolgerung ist allerdings falsch. Hier sind zwei Grenzen, die wir sofort bestätigen können:

  • Die Bundesrepublik Deutschland hat eine Fläche von 357.340,08 Quadratkilometern. Ein Quadratkilometer sind 1 Million Quadratmeter. Wenn also 357 Milliarden 340 Millionen und 80.000 Menschen (minus die Zahl der aktuellen Einwohner) in die Bundesrepublik Deutschland einwandern wollten, dann hätte jeder nur noch im Mittel einen Quadratmeter zum Leben. Das erscheint uns durchaus etwas eng. Et voilà: da haben wir bereits die erste Grenze für Zuwanderung!
  • Wir wollen aber gar nicht so hoch greifen. Nach einer Schätzung gab es zum Jahreswechsel 2014/2015 auf der Erde 7.284.283.000 Menschen. Bringen wir davon die 81,198 Millionen Menschen in Abzug, die bereits in Deutschland leben und die gar nicht einwandern können, so erhalten wir eine Grenze von 7.203.085.000 Zuwanderern nach Deutschland, denn an dem Punkt gehen die Einwanderer einfach aus und wir müssen neue nachbestellen.

Hiermit sind wir nun in der erfreulichen Lage, die Forderung von Kritikern offener Grenzen zu erfüllen:

Ja, es gibt Grenzen der Zuwanderung. Einigen wir uns auf 7.203.085.000 Menschen!

Unsere Entschuldigung dabei an alle, die das albern finden. Das liegt nicht an uns. Wir decken damit nur den Taschenspielertrick auf, der bei dem obigen Argument verwendet wird:

Im ersten Schritt fordert man ein Zugeständnis ein, daß es irgendeine Grenze gibt. Und dann legt man die Kugel unter ein anderes Hütchen, auf dem steht: es ist moralisch gerechtfertigt, mit Zwang alle zurückzuweisen, die mehr kommen als eine ganz bestimmte Grenze, die man gerne hätte.

Es ist natürlich möglich, daß man ein gutes Argument hat, warum man eine Grenze mit allen Konsequenzen bei einer gewissen Zahl ansetzen will und das für moralisch gerechtfertigt hält. Nur drückt man sich darum, es zu vertreten, und tut so, als wenn man die gewünschte Grenze als selbstevident bereits nachgewiesen hätte, während man eine ganz andere Aussage etabliert hat.

Apriori ist gar nicht klar, wo so eine „Grenze der Zuwanderung“ denn liegen würde: Sie könnte, wie die von uns genannten Grenzen, weit oberhalb des heutigen Niveaus liegen. Stattdessen ist die implizite und ebenfalls nicht begründete Behauptung, daß die Grenze auf oder sogar unter dem heutigen Niveau liegt. Man will also aus der allgemeinen Aussage „es gibt irgendeine Grenze“ zu der sehr spezifischen Aussage kommen „es sollte eine ganz bestimmte Grenze auf oder unterhalb des jetzigen Niveaus geben“.

Mal abgesehen davon, daß hier auch noch ein falscher Schluß vom Sein zum Sollen miteingebaut ist, beruht das Argument, das so unwiderlegbar daherkommt, auf nichts weiter als einem ziemlich simplen logischen Fehlschluß.

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