Piraten: Intransparenz und Kollektivismus 2.0

Dieser Artikel wurde 11218 mal gelesen.

Wir möchten uns nicht an den Äußerlichkeiten aufhalten. Ja, der neue Politische Geschäftsführer der Piratenpartei, Herr Ponader, leidet unter einer Sockenallergie. So what? Auch Joschka Fischer brachte es mit Turnschuhen zum Außenminister der Herzen. Solche Mätzchen gehören eben zum Politikbetrieb.

Viel mehr interessiert uns, wofür die Piratenpartei steht. Transparenz will man angeblich in eine Politik bringen, die eigentlich gar keine Politik ist. Die Entscheidungsprozesse sollen mit der Intelligenz eines Ameisenhaufens angegangen werden. Abgesehen von liquidem Gerede über Allgemeines sind konkrete Forderungen allerdings nur schwer auszumachen. Dazu hat man bei den Piraten ein regelrechtes Versteckspiel kultiviert, bei dem sich jeder damit herausredet, nicht für andere sprechen zu dürfen, schon deshalb, weil Forderungen im Nu per Abstimmung auch wieder ganz anders ausfallen könnten.

Allerdings ist das bereits etwas, worauf sich die achso unterschiedlichen Piraten ganz gut einigen können. Politik ist in ihrer Vorstellung nicht etwa eine stimmige Antwort auf die Frage, wie die Zwangsmittel des Staates verwendet werden sollen oder nicht. Kein Gedanke wird darauf verschwendet, daß die gevoteten Forderungen untereinander konsistent sein müßten. Vielmehr wollen die Piraten nur ihr digitales Ohr am Volksempfinden halten und bemängeln an der parlamentarischen Demokratie ganz im Sinne Rousseaus, daß sie die Volonté Generale nicht in Echtzeit widerspiegelt. Das Kollektiv soll handeln, nicht die Einzelnen. Daran ändert auch der zur Schau getragene Individualismus bunt gefärbter Haare nichts. Am Ende ist es wieder die  berühmten Szene aus Monty Pythons „Leben des Brian“: „Ja, wir sind alle Individuen!“

So erklärt etwa die verhinderte Künstlerin Marina Weisband auf ihrem Blog, wie sie sich ihren demokratischen Zentralismus vorstellt, der die Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit durchsetzen soll. Erhellend ist dabei ein Auszug aus ihrem Blogeintrag „Das Erbe der Querdenker, oder: Wie eine Gruppe funktionieren kann.“ (Hervorhebung von uns):

Nun, vor der Entscheidungsfindung ist es an genau diesen Querdenkern, ihre Meinung zu vertreten. Das ist unentbehrlich wichtig. […] Am Ende wird abgestimmt. Sei es ein Kreis- ein Landes- oder ein Bundesparteitag, oder auch nur, wo wir zu Mittag essen. Und danach muss der jeweilige Vorstand greifen. Er muss klar zeigen, dass die Entscheidung getroffen ist, und sie einig durchsetzen. Und der gescheiterte Querdenker, der (subjektiv) ja immernoch recht hat? Der muss sich an dieser Stelle anders verhalten, als bisher oft beobachtet. Ich appelliere hier einfach an menschliche Vernunft.

Frau Weisband scheint die Vorstellung völlig fremd zu sein, daß Menschen auch selbst für sich entscheiden könnten, wo sie zu Mittag essen und mit wem. Undenkbar für sie, daß sich Gruppen einfach auf freiwilliger Basis zusammenfinden oder nicht, und daß es überhaupt keine Notwendigkeit gibt, von oben herab — sei es auch per Mehrheitsbeschluß — Einheitlichkeit herzustellen. Von jemandem, der aus der ehemaligen Sowjetunion stammt, sollte man eigentlich erwarten, daß er eine tiefe Aversion gegen solche Bevormundung hat. Aber nein, hier geht es nur darum, den Kollektivisimus für das Internetzeitalter fit zu machen und Synergien mit Twitter und Facebook zu heben.

Wie klein die Massenbasis sein darf, wenn es darum geht, allen etwas aufzuoktroyieren, zeigt der verhinderte Künstler Johannes Ponader unfreiwillig auf einer seiner Websites zum sogenannten Münchener Modell. Man sollte meinen, daß ein derart hochtrabendes „Modell“ bereits etwas geleistet und viele Menschen hinter sich gebracht hat. Doch darin wird man enttäuscht. Aus aktuellem Anlaß schreibt Herr Ponader in einem Kommentar:

Liebe Besucher der Website, meine persönliche Entwicklung hat gezeigt: Ich selbst werde das hier beschriebene Konzept in der nächsten Zeit nicht umsetzen. Der zu diesem Zweck gegründete Verein ist inaktiv.

Mit anderen Worten, der ominöse Verein steht und fällt mit Herrn Ponader. Oder dürfen wir vermuten, er ist einfach Herr Ponader? Und der Grund für die Einmottung wird wohl die — verzeihen Sie das harte Wort! — Arbeit gewesen sein, hier einmal vorzumachen, wie die auf der Website angepriesene Weltverbesserung auch nur im Kleinen aussähe. Stattdessen sollen jetzt einfach ein paar Sprossen übersprungen werden, wie der Politische Geschäftsführer „Bei Brender!“ auf n-tv ausführte (im Clip ab etwa Minute 20). Man kann ja gleich mit dem ganzen Land anfangen! Warum also in München mit einem Miniverein herumkrebsen?

Es ist interessant anzusehen, wie sich Herr Ponader bei Nikolaus Brender bei der Frage windet, wie er das propagierte „Bedingungslose Grundeinkommen“ zu finanzieren gedenkt. Das Ziel des Grundeinkommens ist nur zu offensichtlich, nämlich nicht zuletzt Herrn Ponader zu alimentieren, damit dieser weiter nicht arbeiten braucht. Gewohnt scharf und treffend bringt das Henryk Broder auf Achse des Guten in seinem Beitrag „Geiles Projekt“ auf den Punkt:

In seiner Bewerbungsrede für das Amt des politischen Geschäftsführers sagte er [Ponader]: «Wir arbeiten zurzeit an einem gigantisch geilen politischen Projekt. Wir sind dabei die Speerspitze eines Paradigmenwechsels, die Avantgarde einer gesellschaftlichen Veränderung. [. . .] Wir arbeiten daran, Antworten zu formulieren, zu denen viele andere noch nicht einmal die Fragen verstehen.» Zumindest die Frage, wie man barfuss und auf anderer Leute Kosten durchs Leben kommt.

Wir würden es sogar noch etwas härter formulieren: der Anspruch von Leuten, die ohne weiteres selbst für sich sorgen könnten, von anderen per staatlichem Zwang finanziert zu werden, ist nichts weiter als die Einstellung von Sklavenhaltern, die ihre Sklaven arbeiten lassen, um sich selbst einen Lenz zu machen. Auch hier ringt der Politische Geschäftsführer bei seinem Fernsehauftritt um eine wohlklingende Bemäntelung für die nackte Wahrheit.

Doch es wird noch bizarrer. Es hat einen guten Grund, warum Herr Ponader so verhalten ist, die Finanzierung des Grundeinkommens im Fernsehen auszubreiten. Auf der schon erwähnten Website bleibt er die Antwort nicht schuldig.

Im Münchner Modell werden zwei Dinge, die unabhängig voneinander als Ideen in unserer Gesellschaft sind, verbunden: Das eine ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens für jeden, das andere die Idee des fließenden Geldes.

Das Grundeinkommen soll dabei so finanziert werden:

Wie Fließendes Geld und Grundeinkommen zusammengehören, zeigt sich, wenn man beide Ideen getrennt betrachtet. Betrachte ich nur das Grundeinkommen, das Monat für Monat bedingungslos an alle ausbezahlt wird, dann stellt sich die Frage: Wer bezahlt das? Betrachte ich nur das fließende Geld, das Monat für Monat bei allen Geldbesitzern durch die Flussgebühr abfließt, stellt sich die Frage: Wo fließt es hin? In der Verbindung zeigt sich: Beide Fragen beantworten sich gegenseitig.

Was ist nun mit dem fließenden Geld gemeint? Hier ist Herr Ponader wieder sein rumdrucksendes Selbst und beläßt es bei Andeutungen:

Bei Waren sind das Lagerkosten oder Wertminderungen während der Lagerung, bei fließendem Geld ist es die zu diesem Zweck erhobene sogenannte „Flussgebühr“ auf liquides Vermögen. So hat der Geldbesitzer genauso wie der Anbieter einer Ware ein Interesse daran, sein Eigentum zu tauschen. Will er es nicht tauschen, kann er es zinslos investieren und ermöglicht damit die Herausgabe zinsloser Kredite. Dadurch wird das Geld durch Handel und Kreditvergaben schneller in Umlauf gebracht und steht dem Wirtschaftenden in jeder Form zinsfrei zur Verfügung.

Hoppla, das kennen wir doch irgendwoher? Leider ist nur die Erklärung des fließenden Geldes von der Website entfernt worden, weil sie nicht mehr dem Diskussionsstand von Herrn Ponader mit sich selbst entspreche. Doch eine Suche führt den Interessierten beispielsweise zu dem Artikel „Geld muß fließen“ von Wolfgang Berger, in dem das Konzept erläutert wird. Wir wissen zwar nicht, ob Herr Ponader diese Erklärung akzeptieren würde, seine Andeutungen decken sich aber vollständig mit den Thesen des Artikels. Dieser wirft ein PISA-Schlaglicht auch auf deutsche Hochschulen, zumindestens wenn man dem Schreiber glaubt, daß er zwar bar jedes wirtschaftlichen Verständnisses, nichtdestotrotz Professor der Betriebswirtschaftslehre ist.

Und nun wird klar, warum Herr Ponader die Spuren zu verwischen sucht. Das „fließende Geld“ ist nichts weiter als der alte Hut des „Freigelds“ von Silvio Gesell. Die Anhänger dieser Lehre haben es stets gut verstanden, ihr Allheilmittel in jeder sich neu formierenden Bewegung anzubringen. Auch die Grünen hatten von Anfang an ihre Gesellianer, die mit großen Beharrungsvermögen weitergemacht haben.

Ähnlich bei den Nationalsozialisten, wo sich in der Frühphase Gottfried Feder als „Finanzexperte“ etablierte mit der Forderung nach der „Brechung der Zinsknechtschaft“. Auch wenn von den Gesellianern gerne die Unterschiede herausgearbeitet werden, bewegte sich Feder durchaus in ihrem Gedankenkreis. Es ist natürlich richtig, daß diese Verbindung nicht notwendig ist, denn die Freigeldlehre ist kompatibel mit beinahe jeder politischen Richtung, die von Staatswegen die Wirtschaft ordnen möchte. Von daher entschlagen wir uns auch der Übung, eine „Guilt by Association“ mit den Nationalsozialisten herzustellen. Was wir aber doch gerne festhalten würden, ist die Ironie, die darin liegt, daß Herr Ponader seine Ansichten alles andere als transparent in der Öffentlichkeit vertritt.

Nur hat das niemand dem Ameisenhaufen getwittert.

Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles, Internet, Politik, Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

24 Antworten auf Piraten: Intransparenz und Kollektivismus 2.0

  1. In Zukunft wird die Wirtschaft dank moderner Robotik weitgehend vollautomatisiert funktionieren. Dann ist es gar nicht mehr notwendig das alle Menschen arbeiten, Nein im Jahr 2050 wird sogar mehr als 50% der Bevölkerung arbeitsfrei sein da ihre Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird. Das Ende der Arbeit ist die Logische Folge der Digitalen Revolution und des Internets, der Fortschritt wird uns alle vom Joch der Arbeit befreien und das Grundeinkommen für alle wird kommen !

    Genau das hat die Piratenpartei erkannt, wärend alle Parteien von „Vollbeschäftigung“ labern haben die Piraten erkannt das dies dank der Computer und Robotik Revolution niemals mehr möglich und auch nicht erstrebenswert ist. Deshalb ist die Abschaffung der Arbeit und die Einführung des Grundeinkommens für alle der einzig richtige Weg in eine gute Zukunft !!!

    • Olaf B. sagt:

      Auffallend an solchen Äußerungen ist die fast schon schmerzhafte Schlichtheit. Diesen Mist habe ich schon früher öfter gehört, eingetroffen ist davon (glücklicherweise) nichts. Ihre Vorstellung vom Leben scheint mir eine eher hedonistische zu sein. Auch wie sich die Logik aus der digitalen Revolution ergibt, ist mir nicht ganz klar. Ich bin selber in der IT-Branche tätig und kann mich jedenfalls über mangelnde Arbeit nicht beklagen.

  2. eugen sagt:

    Yeah, das ist aber nur aus August Bebels „Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ von 1883 abgeschrieben, wo eine vierstündige oder sogar zweistündige Arbeitszeit pro Tag wegen der rasanten technischen Entwicklung in Aussicht gestellt wird. Das ist immer noch derselbe Unsinn.

    Im Übrigen, wenn es so wäre, woraus begründet sich das Recht von Leuten, die für sich selbst sorgen könnten, andere Leute per Staat zu versklaven, für ihren Unterhalt zu arbeiten?

    • Es gibt in einer hoch arbeitsteiligen Gesellschaft ohnehin niemanden mehr welcher für sich selbst sorgen kann, jeder ist ständig auf die Arbeitsleistungen anderer angewiesen. Ein völlig autonomes Leben ist somit nicht mehr möglich.

      Anders sähe es aus wenn jeder Mensch die Möglichkeit hätte ein eigenes Stück Land zu besitzen (Wie früher in den USA), dann könnte man zurecht sagen jeder ist für sich selbst verantwortlich und kann und soll auch den Lebensunterhalt selbst erwirtschaften. Aus dieser Sichtweise kommt ja auch der Klassische Liberalismus.

      Heute ist der Großteil der Menschen auf Arbeitsplätze, also Lohnarbeit angewiesen auch hier kann man aus Liberaler Sicht sagen jeder ist selbst verantwortlich dafür sich einen vernünftigen Arbeitsplatz zu suchen und sein einkommen selbst zu erwirtschaften, das würde so auch ganz gut funktionieren bis zu dem Punkt wo es eben nicht mehr genügend Arbeitsplätze für alle gibt. Was dann ?

      Wenn man dann die alte Logik aufrecht erhält dann würden einfach immer mehr Leute auf der Straße landen und hätten keine Lebensgrundlage mehr. Festzuhalten ist das in einer Marktwirtschaft jede Freiheit Geld kostet, Reisefreiheit kostet, Meinungsfreiheit kostet (Internetanschluss PC usw), alle grundlegenden Freiheiten kosten Geld. Wer nicht über das Geld verfügt um zumindest in minimalen Umfang am Markt teilnehmen zu können verfügt dann auch über keine Freiheit mehr.

      Es ist nicht die Aufgabe von Marktwirtschaftlich organisierten Unternehmen Arbeitsplätze zu schaffen. Ein Guter Manager kümmert sich darum das die Produkte/Dienstleistungen erzeugt werden und der Gewinn am Ende des Monats stimmt, Arbeitsplätze sind da nur ein notwendiges Nebenprodukt aber auch Kostenfaktor den es zu minimieren gilt um konkurrenzfähiger zu werden. Ein Guter Unternehmer wird also darauf setzen so viele Arbeitsplätze wie möglich abzubauen und gleichzeitig seine Produktivität durch neue Arbeitsplätze zu erhöhen um Konkurrenzfähig zu sein.

      Siehe hierzu ein Interview mit einem erfolgreichen Unternehmer:
      http://www.archiv-grundeinkommen.de/werner/StZ-Interview-Goetz-Werner.pdf

      Individuelle Freiheit für alle Menschen ist das höchste Ziel, dieses kann in Zukunft nicht mehr zwangsläufig an einem Arbeitsplatz geknüpft werden und muss folglich in form eines Grundeinkommens oder negativen Einkommenssteuer (Nach Milton Friedman) unabhängig von der Arbeit gewährt werden. Das BGE ist die Modernisierung des Liberalen Freiheitsgedankens an das Hochtechnologiezeitalter da es allen Menschen Marktzugang und somit Freiheit ermöglicht. Und ja dazu müssen Steuern erhoben werden, das ist auch wichtig da sonst die Wirtschaft abkackt denn Arbeitslose kaufen keine Autos und Computer mehr. Leute die Aufgrund der Arbeitslosigkeit (Überangebot an Arbeitskräften führt zu niedriglohn) zu Niedriglohn gezwungen sind kaufen auch nicht mehr viel ein. Also würde dies dazu führen das die Möglichkeiten der hohen technischen Produktivität ungenutzt bleiben und immer mehr Armut entsteht obwohl die Gesellschaft niemals zuvor so produktiv war wie heute. Ich als Unternehmer hätte also durchaus ein Interesse an einem BGE weil es mir meinen Umsatz sichern würde.

      Die Historischen Bedingungen ändern sich nunmal durch den Fortschritt, das Erfordert nunmal Modernisierung der Gesellschaft und Abkehr von alten Paradigmen. Das Verschwinden der Arbeit ist eine Befreiung, den dann haben die Menschen Zeit für Kultur, Kunst, Sport, Familie usw können ihr Leben vollkommen frei Gestalten ohne den Zwängen der Erwerbsarbeit zu unterliegen.

      • eugen sagt:

        Vielleicht äußern Sie sich auch mal zum Punkt des Artikels. Ihr Post ist ein Potpourri von falschen und schiefen Behauptungen, die alle zu widerlegen hier nicht der Platz ist.

        Das Bemerkenswerte an Ihrer Sicht ist, daß Sie meinen den Kopf in ein ganz neues Denken gestreckt zu haben. Lesen Sie einfach mal Johann Mosts „Die Lösung der socialen Frage“ von 1878 oder August Bebels hier schon zitiertes Buch von 1883. Da können Sie fast jeden Ihrer Trugschlüsse finden.

        Offensichtlich hatten diese beiden Herren damals unrecht. Warum haben Sie heute recht?

        • milton2012 sagt:

          Ach eugen,
          ich bin übrigens kein Pirat, aber Mathematiker. Und Marx und Bebels lassen sich mit Friedman auf einen schlichten Quotienten reduzieren, nämlich Existenzminimum zu ProKopfEinkommen, beides nach Marktpreisen.

          Sozialdarwinismus = 0
          Sozialstaat = 0,5
          Marxismus = 1

          Lady Juliet Rhys-Williams, die schon 1942 und 1944 bGE als Sozialdividende in das Wahlprogramm der Liberal Party of UK (Yellow Book) aufnahm, schlägt als Synthese eben Halbvergesellschaftung der Unternehmen vor, nämlich für uns z.B.
          – Paritätische Mitbestimmung von 1976 durch Stimmrechte der Arbeitnehmer
          – bGE als Sozialdividende elegant über eine Negative Income Flat Tax, denn Einkommensteuer ist Teilvergesellschaftung.

          • eugen sagt:

            Ich halte fest: Steuern. Und Steuern auf Einkommen bedeutet, daß man andere Leute teilversklavt für seine Zwecke (Teilvergesellschaftung ist nur ein netterer Begriff).

            Hier nun noch einmal die Frage an die Piraten und Herrn Ponader: Woher kommt das Recht von Leuten, die selbst für sich sorgen könnten, andere Leute teilzuversklaven? Auch wenn Sie kein Pirat sind, können Sie gerne eine Antwort versuchen.

          • milton2012 sagt:

            a) Besteuerung des Markteinkommens
            Ein Staat, der strukturell auf Staatsunternehmen verzichtet, die Produktionsfaktoren
            Arbeit und Kapital in privater Hand belässt, ist auf die Teilhabe am Erfolg privaten
            Wirtschaftens zur Finanzierung seiner eigenen Aufgaben angewiesen. Die Steuer ist
            daher Folge und Preis der Eigentümer- und Berufsfreiheit. Der Staat beansprucht
            seinen Anteil am Erfolg der individuell genutzten Freiheit. Er finanziert sich durch
            Steuern, die an die Leistungsfähigkeit anknüpfen, die der Steuerpflichtige durch Nutzung
            der von der Rechtsgemeinschaft bereitgestellten Erwerbsmöglichkeiten gewonnen
            hat.

            Prof. Kirchhof, Heidelberg, ehemaliger Verfassungsrichter am BVerfG

  3. Feldheld sagt:

    Sorgen machen mir weniger Bekloppte wie Ponader, sondern die unfaßbar vielen ganz normalen Leute in meinem Umfeld, die sowas wählen und auch noch meinen, sich und ihrem Land damit was gutes zu tun.

    Gut, viele werden lediglich Protestwähler sein (was heißt lediglich, ist an sich schon peinlich genug), aber in manchen Diskusskionen höre ich durchaus die guten alten „Argumente“ heraus, mit denen schon Kommunisten und Nazis ihren Amoklauf gegen die Wirklichkeit begründet haben.

    • eugen sagt:

      Solange sich das eher am Rande abspielte, konnte man es ignorieren. Seit die Piraten im Fernsehen und anderswo hofiert werden, ist es ein schlechter Film, den man absitzen muß.

      Man kann Eugen Richter nachfühlen, wie er den Aufstieg der Sozialdemokraten und Antisemiten miterleben mußte. Der Nazi-Vergleich ihres Geschäftsführers traf durchaus einen Punkt: Unbegreiflich große Massen, denen es nur darum zu tun ist, bei der Bewegung dabei zu sein, ohne sich zu überlegen, wohin diese Bewegung will.

      Nicht daß ich die Piraten inhaltlich vergleichen wollte. Ich würde auch darauf zählen, daß sie genauso wie die Sozialdemokraten und die Grünen später mit ein paar Staatsposten und Pensionsanspruch rausgekauft werden.

  4. Bowman2062 sagt:

    Zum Thema Piraten gibts eigentlich nicht viel zu sagen. Man nehme schlicht und einfach die Definition von Piraten bzw. Piraterie .. und tatta .. schon liegt offen des Pudels Kern!

    Bei Piraterie oder Seeräuberei handelt es sich um Gewalttaten, Eigentumsdelikte oder Freiheitsberaubungen, die zu eigennützigen Zwecken unter Gebrauch eines See- oder Luftfahrzeugs auf hoher See oder in anderen Gebieten verübt werden.

  5. milton2012 sagt:

    Henryk M. Broder sollte mal Nachhilfe in Mathematik Sekundarstufe 1 Methode der kleinsten Quadrate von C.F.Gauß nehmen. Er offenbart hier ein gewaltiges Bildungsdefizit.
    bGE ist nur die Zusammenlegung von Einkommensteuergrundfreibetrag und SGB-Grundsicherung gemäß der bGE-Formel :

    EkSt. = bGE * (Einkommen/ProKopfEinkommen – Familienköpfe)

    also der einfache Familien- und Sozialausgleich, wie ihn Art. 1, 3, 6 und 20 GG gebietet.

    Beispiel :
    Ein Single mit 2,5 ProKopfEinkommen gibt 1,5 bGE an eine 4 köpfige Familie mit gleichem Einkommen ab.

    Das ist eine Nullsumme über alle Einkommen, kostet volkswirtschaftlich allen gar nichts und jedem 50 % gegen bGE für seine Familie.

    Für den Erwerbslosen ist bGE = KV + Grundsicherung, für den Erwerbstätigen KV, RV, AV + ggfs. Aufstockung, für Öffentlichen Dienst, Renten und ALG 1 ersetzt bGE das halbe Einkommen. Dadurch reduziert sich das Staatsbudget inkl. Sozialkassen von 1 Billion auf 760 Mrd. BGE ist also 240 Mrd. billiger als heute.

    • eugen sagt:

      Was hat denn Ihre Arithmetik mit den kleinsten Quadraten zu tun? Das würde mich jetzt mal als Mathematiker interessieren.

      Herr Broder hat sich in seinem Beitrag gar nicht dazu geäußert und wir auch nicht. Wie die anderen Wortmeldungen von Piratenseite: Es scheint nicht möglich zu sein, die Punkte des Artikels anzugehen: Intransparenz und den mit Händen greifbaren Kollektivismus. Stattdessen arbeitet man sich an irgendwelchen Strohmännern ab. Könnte das Mitlesenden vielleicht auffallen?

      • milton2012 sagt:

        Ach Eugen,
        Henryk M.Broder hat zu bGE abschätzig die Finanzierungsfrage gestellt und damit sein Bildungsdefizit gezeigt.
        bGE ist nur der kostengünstigste Vorschlag von Milton Friedman für den Sozialstaat auf der Basis von C.F.Gauß, wie die Wikipedia-Grafik zeigt :

        http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Negative_Einkommenssteuer.png

        Man dreht die Gerade Netto = Brutto um den Mittelwert ProKopfEinkommen so weit, bis Netto = bGE für Brutto = 0 ist.
        Die Summe der Aufstockungen und Abzüge ist 0, die Summe der Quadrate ein Minimum.

        Ist spätestens seit 50 Jahren (Kapitalismus UND Freiheit, Kap. 12) bekannt, Gauß schon seit 1795.

        • eugen sagt:

          Die Summe der Quadrate ist ein Minimum von was? Quadrate von was? Was hat das mit dem Artikel zu tun?

          Von mir aus können wir das hier beenden: Ihr Bluff ist hinreichend klar geworden. Gauß und kleinste Fehlerquadrate ist nur Ihre Art, andere Leute einzuschüchtern.

          • milton2012 sagt:

            Dann sind Sie auch kein Mathematiker, der stellt so blöde Fragen nicht

          • eugen sagt:

            Beantworten Sie doch einfach mal meine Fragen, dann sehen wir, wer geblufft hat.

            Oder eine Zusatzfrage: Warum drehen Sie die Gerade nicht so lange, bis das Einkommen am unteren Ende weit über dem mittleren Einkommen liegt? Das ist doch dann auch kein Problem. Und wäre auch für Herrn Ponader viel auskömmlicher.

          • eugen sagt:

            Oder um den wesentlichen Punkt noch einmal zusammenzufassen ohne Formelgehuber:

            Man kann bei den oberen Einkommen Steuern erheben und diese dazu verwenden, die unteren Einkommen und Nicht-Einkommen aufzustocken (negative Einkommenssteuer). Milton Friedman hat das als Ersatz für diverse bereits bestehende Transfersysteme vorgeschlagen, die in Summe einen ähnlichen Effekt haben, aber viel mehr Bürokratie nach sich ziehen und viel diffuser umverteilen (z. B. an Leute, die sich auf Ämtern gut auskennen) sowie in gewissen Einkommensbereichen zusätzliche Arbeit bestrafen können.

            In der Hand der Piraten – die sich dann brüsten Milton Friedman auf ihrer Seite zu haben – degeneriert diese Zweckmäßigkeitsüberlegung zu dem Glauben, daß man _beliebig_ am unteren Ende ein Einkommen durch Umverteilung herstellen könnte, das man sich ausdenkt. Das ist aber Unsinn.

            Die Reductio ad Absurdum ist es, einfach anzunehmen, es werde so viel oben weggesteuert, daß die Nettoeinkommen derjenigen höher liegen, die nicht arbeiten, als die derjenigen, die arbeiten. An der Stelle würden wohl die meisten aufhören zu arbeiten, womit das Einkommen nicht mehr da ist, das umverteilt werden soll.

            Der wesentlich Punkt ist hier, daß die Einkommen nicht von selbst entstehen, sondern abhängig von den Anreizen. Je mehr weggesteuert wird, umso geringer fällt das Interesse aus, mehr zu leisten. Friedmans Vorschlag nimmt einfach den Ist-Zustand und wandelt ihn in eine negative Einkommenssteuer. Im Allgemeinen gibt es deshalb keine wesentlichen Verschiebungen bei den Anreizen. Nur daß das dann bedeuten würde, daß die negative Einkommenssteuer einen Hartz-IV-Satz am unteren Ende draufsattelt. Das haben sich die Piraten aber nicht so gedacht.

          • milton2012 sagt:

            Eugen,
            spinnen Sie nicht herum.
            Das Erwerbseinkommen ist immer höher als das Mindesteinkommen durch bGE, z.B. bleibt bei 50 % für bGE jedem das halbe Brutto zusätzlich zum Familien-bGE.
            Und 50 % sind die Grenze des BVerfG.

            Für die 50 % machte Prof. Straubhaar den Ansatz, 25 % Einkommensteuer nach Kirchhof, 25 % Sozialabgaben sind 50 %.
            Damit ist bGE nicht teurer als heute.
            Der zweite Ansatz ist das Faktum, die heutigen Einkommensteuern haben nach VGR einen Durchschnittssteuersatz von 12,5 %. Addieren Sie 37,5 % für bGE als Grundfreibetragsumverteilung darauf, bringt die Einkommensteuer wieder 12,5 %. BGE ist also markt- und haushaltsneutral, aber optimierend für den Marktumsatz.
            Der Erfolg für die Bürger aber ist, durch 50 % für bGE sinken die Kosten für die Gehälter des Öffentlichen Dienstes, der Renten und ALG 1 um 50 %, die andere Hälfte ist ja durch bGE aus der Wirtschaft schon ersetzt.
            Und damit kostet uns der Staat statt 1 Billion nur noch 760 Mrd.

            Ideologisches Süßholzgeraspel ist unverschämt teuer.

          • eugen sagt:

            Ich bezweifle ja gar nicht, daß man die aktuelle Umverteilung effizienter gestalten kann (siehe meinen Post zur negativen Einkommenssteuer). Nur bleibt das dann in etwa die aktuelle Umverteilung mit Hartz IV am unteren Ende. Wenn ich mir Herrn Ponaders Aussagen in den Medien und auf seinen Websites anschaue, dann bezweifle ich, daß er das meint.

            Umverteilung per staatlichem Zwang ist nicht „marktneutral“, weil die Anreize verschoben werden hin zu weniger Leistung. Das sieht man am besten, wenn man die Umverteilung so weit treibt, daß Arbeiten weniger einbringt als Nichtarbeiten. Eugen Richter hat in seinen „Irrlehren der Sozialdemokratie“ von 1890 ein ganz ähnliches Argument gegen die Forderung vorgebracht, daß alle dasselbe Einkommen bekommen sollten. Das wäre dann der etwas weniger extreme Fall, wo die Gerade der Nettoeinkommen horizontal läuft.

            Wie schon häufiger gefragt: Was hat das alles eigentlich mit dem Artikel zu tun? Herr Ponader scheint ja wohl eher eine Finanzierung über Inflation mit „Freigeld“ vorzuschweben.

          • eugen sagt:

            Das Problem mit dem Argument von Herrn Kirchhoff liegt darin, daß er zu viel beweist: Damit läßt sich eine Besteuerung zwischen 0% und 100% immer als eine Gebühr für die Bereitstellung einer Dienstleistung hinstellen. Das glaubt er selbst nicht. Im Übrigen schafft der Staat Freiheit nicht, weil er sich enthält, sie zu zerstören. Das ist etwas wie das Argument eines Schutzgelderpressers, der dem Ladenbesitzer sein Geschäft ermöglicht, weil er es nicht zerstört, und für diese Dienstleistung eine Gebühr erwartet.

            Meine Frage zielte im übrigen darauf, zu welchen Zwecken der Staat sich denn bedienen darf. Mich würde interessieren, warum die zwangsweise staatliche Finanzierung von Leuten, die selbst für sich sorgen könnten, moralisch gerechtfertigt ist. Nehmen wir mal den Staat als Vermittler raus: Dürfte Herr Ponader sich auch einfach direkt per Zwang bei anderen bedienen?

          • milton2012 sagt:

            Die Aufgaben des Staates sind durch GG festgelegt, nämlich der Soziale Rechtsstaat.
            Selbst Friedman, an den sich Prof. Kirchhof ja anlehnt, sagt klar mit seinem provokanten Buchtitel „Kapitalismus UND Freiheit“, dass Kapitalismus nicht Freiheit schafft, sondern Demokrtie 2 Rahmenbedingungen für Freiheit braucht :

            1. Der Staat benötigt ein staatliches Geldmonopol, privatisiert er es wie heute an Banken, dann haben die Bürger keine Freiheit mehr.
            2. Der Sozialstaat braucht bGE als NIFT, um Chancengleichheit für jeden zu garantieren

            Und unser GG fordert ein GE, entweder als Grundfreibetrag oder Grundsicherung. Das derzeitige Subsidiaritätsprinzip verschwendet nur ein Viertel unserer Steuergelder völlig überflüssig.

  6. golda meir sagt:

    milton friedman hat niemals das bedingungslose grundeinkommen propagiert, wie hier in den kommentaren und an anderer stelle gern behauptet wird! er hat überlegungen zur negativen einkommenssteuer angestellt, das ist ganz etwas anderes. nur so nebenbei.

Schreibe einen Kommentar