Ja, das neuste meiner Lieder

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von Wippchen (a.k.a. Julius Stettenheim), 1894

Wippchen

Ja, das neuste meiner Lieder,
Heute noch muß es entstehn.
O, wie macht der Lenz doch wieder
Uns’re Residenz so schön!

Mögen Andre sagen, daß der
Lenz am schönsten sei im Frei’n,
Auch auf unserm Asphaltpflaster
Blüht’s und sprießt’s im Sonnenschein.

Lobt Ihr Andern Eure Felder,
Lobe Jeder, was er liebt,
Seht doch, links vom Feuermelder,
Seht doch, was es dorten giebt!

Die Trinkhalle [1], die bis heute,
Da der Frühling zu uns drang,
Nichts als Blätter für die Leute
Hatte, wohl sechs Monat lang,

Die Trinkhalle ob’s nun kälter
Wieder wird, ob heiß, Hurrah!
Heute schenkt sie wieder Selter [2]
Ja, der Frühling, er ist da!

Fußnoten

[1] Ausschank, in dem man ein Getränk im Stehen zu sich nehmen kann.

[2] Mineralwasser aus Selters.

Das Gedicht ist dem Band „Wippchen’s Gedichte – Neue Folge“ von 1894 entnommen, das bei Libera Media neu erschienen ist:

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