Da’esch (a.k.a. Islamischer Staat) auf dem absteigenden Ast

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Um es vorwegzunehmen: es sieht so aus, als wenn Da’esch (a.k.a. Islamischer Staat) nur noch ein paar Monate vor sich hätte als ernstzunehmende militärische Organisation und damit auch als „Staat“ mit faktischer Souveränität über ein größeres Gebiet. Als Markenzeichen für gescheiterte Rapper, die mit einem Küchenmesser loslaufen oder rumballern, wird man vielleicht etwas langlebiger sein.

Wie kommen wir zu dieser Einschätzung? Uns führt dazu folgende Auswertung:

Wir haben uns die Daten zu allen bisherigen „Schlachten“ von Da’esch aus Wikipedia heruntergeladen. „Schlachten“ deshalb in Anführungsstrichen, weil es sich zumeist um eine sehr blumige Ausdrucksweise handelt. Unter normalen Umständen würde das wohl eher als Gefecht oder sogar nur als Scharmützel bezeichnet werden. In einigen Fällen könnte man es auch einen Schußwechsel nennen.

Wir haben nun alle Schlachten herausgefiltert, für die ein Ergebnis bekannt ist. Insgesamt sind as 151 über die letzten zwei Jahre. Und dann haben wir eine Schätzung durchgeführt, wie hoch die Rate war, daß Da’esch eine Schlacht gewinnt. Dazu haben wir Mittelwerte über 11 Werte genommen (zentriert um eine Schlacht, die ersten zehn sind nicht dargestellt, deshalb geht die untere Skala nur bis 141). Das ist die blaue Linie. Wir haben dann wiederum Mittelwerte über 11 Werte für die Mittelwerte genommen (wieder zentriert, also zusammengenommen eine Glättung mit einem Hutkern). Das führt zur roten Linie. Zusätzlich haben wir daran eine Gerade angepaßt, die schwarze Linie (oben rechts die Gleichung, die Gerade fällt mit etwa einem Drittel Prozent pro Schlacht ab):

Abstieg

Das Ergebnis:

Da’esch hatte einen für sie recht guten Lauf am Anfang. Kurzzeitig konnte man fast alle Schlachten gewinnen (im Mittel über 11 genommen). Auf einer etwas längeren Skala (die rote Linie) schaffte man aber selbst da nur eine Quote von etwa zwei Dritteln. Von der Kampfstärke lag man vermutlich sogar noch darunter, der Rest war etwas Anfängerglück.

Von da an ging es immer weiter bergab. Nur ganz kurz konnte man vor etwa einem Jahr (ungefähr April 2015, die Schlachten sind nach ihrem Beginn sortiert) noch einmal eine Quote von 50/50 erreichen. Seitdem ist die Ausbeute stark gesunken, sodaß man nur noch etwa jede vierte, aktuell vielleicht noch knapp jede dritte Schlacht, die man beginnt, auch gewinnt. Man bekommt es also recht ordentlich auf die Mütze.

Der Abwärtstrend ist ziemlich deutlich. Sieht man den Anstieg am Ende eher als letztes Aufgebot à la „totaler Krieg“ und die schwarze Linie als den tatsächlichen Zustand an, dann gewinnt Da’esch eigentlich mittlerweile fast gar nicht mehr. Die schwarze Linie würde nach etwa dreißig weiteren Schlachten die Null erreichen. Das wäre in etwa einem halben Jahr.

Interessant ist auch der Zusammenhang mit den Anschlägen von Da’esch in Europa. Bis 2015 bot man eigentlich nur völlige Dilettanten auf, die mit Messern oder Autos ohne jegliche Organisation und wohl auch ohne zentrale Steuerung loslegten. Im Januar 2015 ballerte dann Amedy Coulibaly parallel zum Attentat auf Charlie Hebdo (von Al Qa’eda durchgeführt) herum. Auch das wirkte reichlich unorganisiert.

Der erste Anschlag mit einer gewissen Planung waren die Attenate in Paris im November 2015. Der Organisationsgrad war immer noch eher gering: Man hatte sich Waffen besorgt und war in der Lage, Sprengstoff herzustellen und mit Zündern zu Westen zu verarbeiten. Der Zeitpunkt entspricht dem zweiten Mal, wo die blauen Linie auf die Null schlägt. Mit anderen Worten: Da’esch verlor um die Zeit regelmäßig jede Schlacht. Natürlich war man nervös, dafür irgendwoanders zu punkten.

Die Anschläge in Brüssel sind vermutlich eine Panikreaktion, weil man nach den kurz vorher erfolgten Verhaftungen kaum noch Zeit zu haben meinte. Wie es ausschaut, hatte die kleine Gruppe nur einen, der Sprengwesten herstellen konnte. Und der hat sich wohl selbst bei der Aktion in die Luft gesprengt. Mehr Information braucht man eigentlich nicht, um die Selbsteinschätzung zu verstehen, daß man am Ende ist.

Natürlich wird man, wenn die Schrottpresse im Irak und in Syrien Da’esch in ein handliches Format preßt, noch den ein oder anderen halbgaren Plan in unseren Breiten ausführen. Auch Dilettanten können dabei mit den entsprechenden Waffen einiges anrichten. Vermutlich wird man aber bei dem desolaten Zustand und mit der Strafverfolgung im Nacken nur noch wenig hinbekommen. Und tschüß!

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