Republikaner können sich nicht auf ihren Kandidaten einigen

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Berliner Börsen-Zeitung, 3. Juni 1880

Chicago, 2. Juni, früh. (C. T. C.) Wie verlautet, würde Senator Cameron Präsident des republikanischen Nationalcomités bleiben; die Frage ob die Delegation eines jeden Staates als geschlossene Einheit zu stimmen habe, würde der Entscheidung der Convention unterbreitet werden. Auf den Rath des Senators Conkling, das Mandat der New-Yorker Staatsconvention zur Ausführung zu bringen, beschloß die New-Yorker Delegation mit 45 gegen 23 Stimmen, als Einheit zu stimmen. Conkling verwies diejenigen, welche mit dieser Resolution nicht einverstanden sein sollten, auf eine an die Convention zu richtende Appellation. Die Delegirten von Pennsylvanien beschlossen, als Einheit zu stimmen, obschon 23 derselben einen Protest gegen die Ernennung Grant’s unterzeichnet haben. Bei einem von den Anhängern Grant’s abgehaltenen großen Meeting empfahl Conkling Standhaftigkeit und Ausdauer, die Ernennung Grant’s sei in diesem Falle gewiß. Grant sei der stärkste von allen Candidaten und werde auch von den Deutschen unterstützt werden. Senator Logan empfahl geichfalls Festigkeit, die Ernennung Grant’s sei bei der ersten oder zweiten Abstimmung zu erwarten.

Hintergrund

Es läuft dann aber ganz anders. Am 2. Juni 1880 beginnt in Chicago die Versammlung der Republikaner, um den Präsidentschaftskandidaten zu bestimmen. Ex-Präsident General Ulysses S. Grant hat die meisten Delegiertenstimmen, aber keine Mehrheit. Seine Hauptrivalen sind James G. Blaine und John Sherman, der Bruder von General William Tecumseh Sherman. Da sich ein unentschiedener Ausgang der Wahl ankündigt, wird darum geworben, daß die Delegierten für die einzelnen Staaten nicht im Block, sondern unabhängig stimmen dürfen. Das hilft aber alles nichts. Die Konvention dauert noch bis zum 8. Juni 1880 und hat bei der 36. Abstimmungsrunde ein zu Anfang völlig unerwartetes Ergebnis (Quelle: Wikipedia):

On the first ballot, Sherman received 93 votes, while Grant and Blaine had 304 and 285, respectively. With 379 votes required to win the nomination, none of the candidates was close to victory, and the balloting continued. After the thirty-fifth ballot, Blaine and Sherman switched their support to a new „dark horse“ candidate, James Garfield. On the next ballot, Garfield won the nomination by receiving 399 votes, 93 higher than Grant’s total. Garfield’s Ohio delegation chose Chester A. Arthur, a Stalwart, as Garfield’s vice-presidential running mate. Arthur won the nomination by capturing 468 votes, and the longest-ever Republican National Convention was subsequently adjourned.

James Garfield gewann die Wahl später im Jahr 1880 und wurde Präsident. Für ihn war das allerdings ein verhängnisvoller Sieg. Weniger als ein Jahr später wurde er von einem Verrückten erschossen. Siehe dazu:

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