Die letzten Monate von Da’esch?

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Ende März haben wir eine Auswertung vorgestellt, in der wir die Kampfkraft von Da’esch (a.k.a. Islamischer Staat) betrachtet haben.  Geschätzt wurde der Anteil der gewonnenen Gefechte („Schlachten“). Genaueres findet sich im verlinkten Artikel.

Das Ergebnis war, daß Da’esch nur am Anfang eine Quote von etwa der Hälfte gewonnener Gefechte erzielen konnte. Für Welteroberung vielleicht nicht sehr beeindruckend, aber immerhin eine Erklärung, warum der Eindruck entstehen konnte, als wäre man auf einem unaufhaltsamen Vormarsch.

Über die Zeit fiel diese Quote aber sehr stark ab und schlug zeitweise sogar auf der Null auf, d. h. man verlor praktisch jedes Gefecht. Am Ende des Zeitraums (genau genommen keine Zeitskala, sondern eine chronologische Sortierung der Gefechte nach ihrem Beginn) schien es eine kleine Erholung Richtung 30% zu geben.

Wie sich nun herausstellt, war selbst das eine Ente. Das liegt daran, daß es bei der letzten Auswertung einige Gefechte gab, deren Ergebnis noch ausstand. Diese sind mittlerweile entschieden. Und das Resultat ist, daß Da’esch auf dem vorherigen Abwärtstrend weitergemacht hat, ja diesen sogar noch ein wenig beschleunigte. Hier ist eine aktuelle Grafik (zum Vergleich, siehe die alte Grafik im vorherigen Artikel):

Abstieg2

Die Grafik ist so zu lesen: Die blaue Linie zeigt die durchschnittlichen Siege über die letzten Gefechte, aktuell und schon seit einiger Zeit sicher unter 20%, eher 10% (am Ende kann der eben beschriebene Effekt durch laufende Gefechte noch zu einer Korrektur führen). Die rote Linie zeigt eine Mittelung über die blauen Werte, sodaß man effektiv über ein etwas längeres Fenster glättet. Hier sieht man recht gut das Niveau um die 10% am Ende. In anderen Worten: Da’esch verliert von zehn Gefechten etwa neun.

Die schwarze Linie ist eine Gerade, die an die geglätteten Daten angepaßt wurde. Sie hat nur eine illustrative Bedeutung für den doch recht konsequenten Trend nach unten. Theoretisch würde man vielleicht keinen linearen Zusammenhang erwarten. Ein exponentielles Abklingen wäre nicht unplausibel. Oder man könnte sogar vermuten, daß es einen Umschlagspunkt gibt, ab dem die Kampfkraft rasant schwindet. Neben der Ungenauigkeit wegen noch laufender Gefechte sollte man auch noch beachten, daß es auf beiden Seiten sicherlich eine Tendenz gibt, Gefechte, die siegreich sind, stärker zu berichten. Man könnte etwa einen Sieg als mehrere ausschlachten, umgekehrt eine Niederlage in einem Gefecht mit unklarem oder gemischtem Ausgang verbergen (in der Auswertung ausgelassen). Da beide Seiten vermutlich ähnlich ihre Ergebnisse massieren, könnte sich das rauskürzen, wobei Da’esch aufgrund der Lage und der Ausrichtung als Propaganda-Verein allerdings mehr schönen könnte. In dem Fall wären die tatsächlichen Ergebnisse sogar noch schlechter.

Die relativ naheliegende Prognose wäre, daß Da’esch in den nächsten Monaten plattgemacht wird. Das kann natürlich anders kommen, aber das läge bei der Kampfkraft wohl eher an Entscheidungen der Gegner, die vielleicht schon damit zufrieden wären, Da’esch einzukesseln und auszuhungern. Wie im vorherigen Artikel schon aufgezeigt, kann eine solche Lage dazu führen, daß man aus Verzweiflung und, um überhaupt etwas als Sieg verkaufen zu können und Aufmerksamkeit zu bekommen, eher zu Terroranschlägen neigt. Wenn das Rückzugsgebiet gleichzeitig beseitigt wird, sollten die Fähigkeiten da aber auch schwinden. Eher wie bisher: rumballernde Dilettanten mit Hintergrund als gescheiterte Rapper.

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