Welche Mittel die Amerikaner anwenden

Dieser Artikel wurde 1772 mal gelesen.

Berliner Tageblatt, 9. Juni 1880

Welche Mittel die Amerikaner anwenden, um ein „volles Haus“ zu erzielen, dafür möge folgendes Beispiel sprechen. Ein Menageriebesitzer zeigt an, daß sein gelehriger Elephant zu seinem Benefiz auf einem prachtvollen Erard einige Klavierstücke vortragen werde. Alles rennt hin, um den neuen Virtuosen zu hören, und eine große Einnahme wurde erzielt. Vor Schluß der Vorstellung wird ein schönes, nagelneues Pianoforte mitten in den Cirkus hineingestellt und der Deckel abgehoben. Lautlose Stille. Der Elephant tritt nach den üblichen Verbeugungen an das Instrument, hebt endlich seinen Fuß und setzt ihn auf die Klaviatur. Plötzlich erhebt er ein schreckliches Geschrei, das wie Weinen klingt und die Zuschauer mit nicht geringer Angst erfüllt. Der Besitzer des Thieres tritt endlich hinzu und nachdem er seinen Kopf in den Rachen des Elephanten gestreckt, um dort die Ursache des Weinens zu erfahren, läßt er den dickhäutigen Virtuosen vom Klavier wegführen, indem er der staunenden Menge verkündet: „der Elephant könne auf dem Klavier nicht spielen, da er zu tief ergriffen sei, weil er in den Tasten der Klaviatur die Zähne seiner armen Mutter erkannt habe!“

Siehe auch: Der gerochene Elephant

Dieser Beitrag wurde unter 1880, Amerika veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar