Links der Woche

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Hier eine kleine Zusammenstellung von Links zu Artikeln, die uns in der letzten Zeit interessant erschienen:

  • Tyler Cowen auf Marginal Revolution mit einem für ihn ungewöhnlich langen, dafür aber auch sehr durchdachten und anregenden Post über Neoreaktionäre: What is neo-reaction? – Es handelt sich um eine wenig bekannte Richtung in den USA, die aber eigentlich doch recht bekannt ist, weil sie viele klassische konservative Thesen aufwäscht. In Europa würde man das gar nicht mal als „neo“ wahrnehmen, weil es einfach die normale reaktionäre Sicht ist, wie es sie seit 200 Jahren gibt, allerdings in mancherlei Hinsicht modernisiert. Über die Hoppe-Schiene ist das auch in libertären Kreisen nicht unbekannt, und so hat in Deutschland der Begriff „libertär“ mittlerweile nach unserem Dafürhalten, eine sehr verschobene Bedeutung erhalten, so verschoben, daß wir den Begriff meiden, weil er einfach mißverständlich geworden ist.
  • Jorge Arprin auf arprin: Bitte kein Völkermord mehr – sehr gute Punkte zum inflationären und gehaltlosen Gebrauch des Begriffs „Völkermord“. Der Wurm steckt auch drin, weil man ein Kollektiv des Volkes als etwas anderes ansieht als einfach die Menschen, die dazugehören. Letztlich ist es ein Massenmord, und das ist schon verwerflich genug und läßt sich eigentlich gar nicht steigern. Das Ziel, alle Menschen einer Gruppe auszurotten, ist natürlich besonders perfide. Aber das wäre ja auch so, wenn man sich nur das Ziel setzen würde, jeden zweiten umzubringen.
  • Gary Chartier bei den Bleeding Heart Libertarians: Libertarianism and the Varieties of Virtue – Hintergrund ist die Unterscheidung zwischen „thick“ und „thin“ für Libertarismus. Dünner Libertarismus ist in diesem Sinne eine Haltung, bei der man nur darauf achtet, daß jemand keinen Gewalt (oder allgemeiner Zwang) beginnt. Ansonsten ist alles egal. Prinzipiell läßt sich damit fast alles verbinden. Jemand könnte voll des Hasses für bestimmte Menschen sein, die übelsten Sachen über sie behaupten, gegen sie hetzen, die Argumente zusammentragen, wieso sie vernichtet werden sollten, usw. Solange er nur keine Gewalt anfängt, kann er ein Libertärer sein. Bei dickem Libertarismus wird mehr gefordert, d. h. auch eine Einstellung, eine Weltsicht, Wertsetzungen, die zum allgemeinen Prinzip passen. Haß zu säen, gegen andere zu hetzen, usw., würde jemanden als Libertären disqualifizieren (was nicht heißt, daß ein solcher Hetzer gewaltsam unterdrückt werden darf, solange er selbst nicht anfängt). Die Unterscheidung zwischen „thick“ und „thin“ wurde vor allem auf dem Blog der Bleeding Heart Liberatarians aufgebracht. Dort wurde eine Art von dickem Libertarismus vertreten und aus diesem Blickwinkel dünner Libertarismus (eher mit einem konservativen Beiklang) kritisiert. Nun drehen William Ruger and Jason Sorens die Sache um und argumentieren für einen dicken Libertarismus, der in eine konservative Weltsicht eingebettet ist. Gary Chartier reagiert von Seiten der Bleeding Heart Libertarians seinerseits darauf. Interessante Diskussion: es ist eine Sache zu begründen, wieso ein dünner Libertarismus zu wenig ist, aber daraus folgt noch nicht, wie er aufgedickt werden sollte. Da gibt es nicht nur eine Möglichkeit.
  • Mariassunta Giannetti und Bige Kahraman  bei VoxEU: The organisation of the asset management industry and the benefits of closed-end structures – Es geht um die Frage, ob und warum an Kapitalmärkten Fehlpreisungen nicht oder nicht weitgehend genug korrigiert werden. Die Behauptung des Artikels ist es, daß das an den Anreizstrukturen von Investoren liegt. Unter der Drohung von Mittelabflüssen können längerfristige Positionierungen nicht eingegangen oder durchgehalten werden. Das erscheint plausibel. Es ist allerdings nicht ganz klar, ob man objektiv solche Fehlpreisungen erkennen kann, womit das Ziel unklar ist, an dem die Ergebnisse gemessen werden. Wie im Artikel vorausgesetzt wird, gibt es auch Marktteilnehmer, die weniger starken Anreizen in der Richtung unterliegen. Selbst wenn die anderen hier Möglichkeiten auslassen, ist es nicht selbstevident, wieso die weniger restringierten Investoren die Beseitigung von Fehlpreisungen nicht alleine schaffen können. Es gäbe ja viel dabei zu verdienen. Man muß hier wohl noch eine Annahme reinstecken, daß es Begrenzungen für die ungebundeneren Investoren gibt, warum diese nicht den Markt bestimmen.
  • David Friedman bei Ideas: The Origin of the Law of Torture: A Cautionary Tale – David Friedman gibt eine Erklärung, warum Folter in früheren Zeiten als Mittel zur Wahrheitsfindung eingesetzt wurde. Er vergleicht das mit ähnlichen Mechanismen, besonders im amerikanischen Recht, wo viele Prozesse durch „plea bargaining“ geregelt werden.
  • Und Jonathan Glancey stellt auf der Website der BBC eine Sammlung von Gebäuden vor, die durch ihre herbe Form verzücken oder auch nicht (HT: Tyler Cowen): Ten beautiful Brutalist buildings.
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