Feuer im Haus von Theodor Mommsen

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(Gemälde von Ludwig Knaus, 1881, Quelle: Wikipedia)

[Ohne Titel, Neue Freie Presse (Wien), 13. Juli 1880]

 

Berlin, 12. Juli. In Theodor Mommsen’s Hause in Charlottenburg brach gestern Nachts durch eine Gas-Explosion Feuer aus, welches den Dachstuhl und den oberen Theil des HauseS verzehrte. Viele, zumeist unersetzliche Manuskripte, darunter auch zahlreiche von Mommsen selbst, sowie ein ansehnlicher Theil seiner großen Bibliothek sind verbrannt. Der Schaden ist um so bedauerlicher, als Mommsen bereits sehr umfangreiche Vorarbeiten für eine Geschichte der römischen Kaiserzeit gemacht hatte und dieselben bei einer Reise nach England demnächst zu ergänzen gedachte.  Er suchte bei dem Brande mit Lebensgefahr seine Bücher und Papiere zu retten und mußte schließlich mit Gewalt zurückgehalten werden.

Anmerkung

Theodor Mommsen (1817-1903) war einer der führenden deutschen Historiker. Insbesondere für seine Werke über römische Geschichte erhielt er 1902 den Nobelpreis für Literatur. Zudem war Mommsen auch politisch tätig. 1849 nahm er am sächsischen Maiaufstand teil. Deswegen wurde er 1851 aus dem Hochschuldienst entlassen, erhielt aber recht bald schon 1852 einen Ruf nach Zürich und von da 1854 nach Breslau. Während des Preußischen Verfassungskonflikts vertrat er die Deutsche Fortschrittspartei im Preußischen Abgeordnetenhaus. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 schloß er sich den Nationalliberalen an, zu deren linkem Flügel er gehörte. Mit der reaktionären Wende Bismarcks in den 1870er Jahren, kam es zu Zerwürfnissen. Wie andere Politiker des linken Flügels trat auch Mommsen 1880 aus der Nationalliberalen Partei aus und schloß sich der Liberalen Vereinigung („Sezessionisten“) an, für die er von 1880 bis 1884 im Reichstag saß. Insbesondere wandte sich Mommsen gegen den Antisemitismus, etwa in einem publizistischen Schlagabtausch mit dem Historiker Heinrich von Treitschke und später 1890 als einer Gründer des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus“.

Siehe auch:

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