Es läuft gut für Gary Johnson

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Anfang Juli und etwas vorher Ende Juni haben wir das letzte Mal über den Stand berichtet. Seitdem hat sich einiges getan:

  • Kamen vor knapp einem Monat etwa 30.000 neue Likes pro Woche bei Facebook für die Seite von Gary Johnson rein, so hat das Tempo stark angezogen. Aktuell liegt das Tempo bei etwa 120.000 oder sogar darüber. Vor ein paar Monaten sah es noch danach aus, als wäre eine Million Likes kaum bis zur Wahl zu erreichen, nun sollte es bei dem Tempo und fast 800.000 erreichten Likes in ein bis zwei Wochen so weit sein. Mit einer Million Likes läge Gary Johnson zwar noch weit hinter der Konkurrenz. Bedenkt man aber, daß nur etwa 130 Millionen bei den letzten Wahlen abgestimmt haben und die meisten Likes wohl Wählern entsprechen, dann erreicht Gary Johnson recht bald etwa alle seine Wähler vom letzten Mal (knapp 1,3 Millionen) oder etwa ein Prozent der Wählerschaft. Wenn jeder Fan nur ein paar andere kennt, hat er damit einen Durchgriff auf einen nennenswerten Anteil der Wählerschaft, ganz unabhängig von der Präsenz in den Medien.
  • Die Haltung der Medien ist dabei weiterhin sehr interessiert, kein Vergleich zur Situation vor vier Jahren. Berichte gibt es fast fortlaufend von großen Anbietern. Eine nicht vollständige Auswahl: Politico, The New Yorker, TIME, Washington Post, usw. Hinzu kommen Fernsehauftritte wie bei Bill Maher (mit über einer halben Million Views auf Youtube) und die weiterhin wohlwollende Berichterstattung der progressiven Young Turks (fast 200.000 Views).
  • Der Bekanntheitsgrad steigt auch weiter an. Mittlerweile haben die Suchen nach Gary Johnson auf Google (nach Google Trends) in etwa das Niveau bei den letzten Wahlen erreicht. Auch die Website hat sich aus dem Nirgendwo mittlerweile in den sichtbaren Bereich vorgearbeitet (nach Alexa, wobei die Auswertung seltsam ist mit einem niedrigeren Rang weltweit als in den USA). Auf der amerikanischen Ausgabe von Google News braucht man mittlerweile nur noch bei der Suche das „G“ einzutippen, um Gary Johnson als Auswahl zu erhalten (auf der deutschen Ausgabe muß man noch „GAR“ schaffen).
  • Außerdem gab es einige Endorsements: von Jesse Ventura (wie schon 2012), einem Delegierten zur republikanischen Konvention sowie dem konservativen Kommentator Glenn Beck (ohne sich ganz festzulegen). Fast noch interessanter könnte die Haltung der Anti-Trump-Republikaner sein. Ted Cruz drückte seine Wahlempfehlung so aus: man solle auf dem Wahlzettel nach oben (also Clinton) und auch nach unten (also z. B. Gary Johnson) schauen und dann nach seinem Gewissen und seinen Prinzipien abstimmen. Gerüchteweise soll Jeb Bush auf Gary Johnson zugekommen sein. Ganz geschickt interpretiert Johnson das als Interesse und mögliche Unterstützung. Das wurde zwar dementiert, aber auf eine Weise, daß eine Unterstützung nicht ausgeschlossen wurde. Nach der Pleite bei der republikanischen Konvention könnte Gary Johnson fast die einzige Möglichkeit sein, Trump noch zu schaden. Sicherlich stößt man sich an manchen Positionen. Aber wenn man wirklich Trump so haßt, wie es aussieht, könnte Gary Johnson (mit dem richtigen Stallgeruch als ehemaliger Republikaner) als das kleinere Übel erscheinen.
  • Insgesamt schlägt sich das alles in besseren Ergebnissen bei den Wahlprognosen nieder. In einer Umfrage gab es schon einmal landesweit 13%, allerdings mit einer großen Streuung über die Umfragen, in denen Johnson zur Wahl steht (immer noch nicht sehr viele, aber doch viel mehr als 2012). Nach den recht präzisen Prognosen von FiveThirtyEight würde Gary Johnson bei einer Wahl jetzt auf 9,5% der Stimmen kommen, was für einen Kandidaten der Libertarian Party schon sensationell wäre. Allerdings sind die Vorhersagen sehr sensibel gegen neue Daten und schwankten in der letzten Zeit zwischen 8% und über 11%.
  • Besonders aussichtsreich sieht es im Heimatstaat von Gary Johnson, New Mexico, aus. Hier wären aktuell sogar 19,0% der Stimmen drin. Auch in Montana und Alaska sieht es recht gut aus. Dennoch ist ein Sieg soweit recht unwahrscheinlich selbst für diese Staaten, die auch nur wenige Wahlmänner stellen. Dazu müßte Gary Johnson auf ein Niveau von 30% oder mehr vordringen, was soweit außerhalb der Reichweite liegt. Interessant würde es, wenn er genug Wahlmänner gewinnen kann, daß weder Clinton noch Trump gewählt werden kann. In dem Fall würde die Wahl in den Kongreß gehen.
  • Um an den großen Debatten (los geht es Ende September) teilnehmen zu können, muß Gary Johnson nach den obskuren Regeln in fünf nationalen Umfragen mehr als 15% erreichen. Welche Umfragen das sind, ist wohl der Willkür der Organisation anheimgestellt, die sich in der Hand der Demokraten und Republikaner befindet. Raum für Manipulation ist also gegeben. Um sich den Zugang zu erzwingen, müßte Gary Johnson also die 15% sicher hinter sich lassen. Mit zwei Monaten und dem bisherigen Schwung ist das alles andere als ausgemacht, aber doch auch nicht jenseits der Möglichkeiten.

Stay tuned …

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