Mehr zum Terroranschlag in London

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Neue Freie Presse (Wien), 5. Januar 1885

[Die Explosion auf der Londoner Gürtelbahn.] Am 2. d[es]. [Monats] fand, wie telegraphisch bereits gemeldet wurde, kurz nach 9 Uhr in dem Tunnel der unterirdischen Gürtelbahn zwischen den Stationen Gowerstreet und Kings-Cross eine Explosion statt, die, wie jeder Grund zur Annahme vorhanden ist, von den Feniern mittelst Dynamits und Schießbaumwolle ins Werk gesetzt wurde. Dieser angenscheinliche Zweck ist indeß bei dem Attentats mißlungen, denn die Bahnzüge, welche zur Zeit der Explosion durch den erwähnten Tunnel fuhren, sind nicht wesentlich beschädigt worden. Die Gasflammen in den Zügen erloschen und etliche Passagiere wurden durch die Splitter zerschmetterter Fensterscheiben leicht verwundet. In der Gowerstreet-Station wurden durch die Gewalt der Explosion mehrere Bahnbedienstete heftig niedergeschleudert und alle Gasflammen ausgelöscht, so daß einige Zeit völlige Finsterniß herrschte. Inzwischen langte der von der Explosion betroffene westwärts gehende Zug an. Die Passagiere wurden zum Aussteigen aufgefordert, aber die weiblichen mußten fast alle in ohnmächtigem Zustande aus den Waggons getragen werden. Der Zug, dessen Fenster fast alle zerschmettert sind, wurde auf ein Nebengeleise geschoben, wo er der Untersuchung seitens der Regierungs-Experten harrt. Der nach Osten gehende Zug wurde in ähnlicher Weise beschädigt, aber die Passagiere kamen meist mit dem bloßen Schrecken davon. Allem Anscheine nach wurde der Sprengstoff von einem der beiden Züge gegen die Mauer des Tunnels geschleudert. Eine vou der Bahnbehörde sofort angestellte Untersuchung ergab, daß die Explosion die in dem Tunnel befindliche Signalstation theilweise zertrümmert und etwa 100 Meter davon ein Loch von vier Fuß im Durchmesser und fünf bis sechs Zoll Tiefe in den Erdboden gerissen.

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