Die Bestie schlägt zurück

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From Frankfurt with Love

Vielleicht war es eine strategische Fehlkalkulation von Blockupy Frankfurt, ins „Herz der Bestie“ vorstoßen zu wollen. Die Bestie mußte sich nämlich wegen Euch einen Brückentag nehmen und hat nun einmal für ihre Verhältnisse viel Zeit, sich über Euch lustig zu machen.

So ging die Bestie etwa auf Eure offizielle Website und fand dort folgenden Verweis zur Mitfahrbörse von Attac. Mitfahrbörse? Börse??? Ja, Börse!

Ha, ha, sehr witzig. Denn nun kann die Bestie einmal Eure eigenen Forderungen auf Euch anwenden. Offensichtlich handelt es sich bei dieser Mitfahrbörse nämlich um einen unregulierten Handelsplatz. Und dort werden Fahrgelegenheiten über den Broker Attac auf Termin angeboten.

Pfui, denn „auf Termin“ bedeutet, dass Reisen in der Zukunft verkauft werden, die es heute noch gar nicht gibt. Das ist natürlich pervers, und nicht nur pervers: Ihr handelt hier mit Derivaten, den Massenvernichtungswaffen des Marktes. Blockiert Euch gleich mal selbst dafür!

Nun ist ja eine Eurer Legenden, daß der Finanzmarkt völlig unreguliert ist, auch wenn das genaue Gegenteil der Fall ist. Hat die Bestie da aber ein paar Überraschungen für Euch:

Offensichtlich muß der Broker Attac zum Betreiben eines solchen Geschäftes zuerst einmal über eine Banklizenz verfügen und sich der Aufsicht des Bundesamtes für Finanzaufsicht BAFin unterstellen. Gelegentliche Betriebsprüfungen kann die Bestie Euch schon in Aussicht stellen; denn schließlich müßt Ihr die Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschäften, die sogenannte MaH, erfüllen. Und natürlich auch die MaK und MaIR.

Und da auf Eurer Börse mancher arme Kunde von gewissenlosen Reiseanbietern betrogen werden könnte, müßt Ihr selbstverständlich außerdem Eure Risiken im Griff behalten, also die Mindestanforderungen der MARisk beachten und Eure Aktivitäten mit Eigenkapital unterlegen.

Habt Ihr nicht? Dann wird es aber höchste Zeit!

Und nun kommt die ganz spezielle Pointe für Euch:

Unregulierter Handel mit Reisemöglichkeiten führt zu Chaos am Markt durch skrupellose Spekulanten, die Fahrten nur zu ihrem Profit anbieten. Das wißt Ihr ja besser als alle. Aber dafür habt Ihr auch das Allheilmittel gefunden: die Transaktionssteuer. Die wird jetzt fällig. Und die sollte natürlich so hoch bemessen sein, dass auf Eurer Mitfahrbörse nichts mehr läuft. Das ist der Sieg Eures Prinzips. Blockupy Yourself!

So, und nun werdet Ihr fragen: Wohin mit all dem Geld aus der Transaktionssteuer auf Eure Brokergeschäfte?

Einfach. Wenn Ihr zu den Banken tingelt, deren Belegschaften sich wegen Euch im Zwangsurlaub befinden und nicht kleiden können, wie sie wollen, dann werft Ihr die Moneten einfach in den Briefkasten. Die Bestie weiß schon, was man mit Geld anfangen kann. Und Ihr lebt einmal nach Euren Prinzipien.

Muchas gracias von der Bestie und hasta la vista!

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5 Antworten auf Die Bestie schlägt zurück

  1. Alan Turing sagt:

    Ich habe selten eine so kollektive Verblödung erlebt wie bei diesem Occupy. Ohne jeden analytischen Verstand kloppen die Sprüche und leugnen einfach den Zusammenhang zwischen Staatsausgaben und Staatsschuldenkrise. Sie meiden sogar das Wort Staatsschuldenkrise. Nach der Meinung der Occupy-Leute müsse das ja Finanzkrise heißen, weil angeblich zuerst die Finanzbranche in die Krise geriet, die gerettet wurde (das stimmt so auch nicht) und infolgedessen stiegen die Staatschulden.

    • eugen sagt:

      Die griechischen, portugiesischen und italienischen Banken kamen im Allgemeinen recht gut über die Finanzkrise von 2007 bis 2009. Auch die spanischen Banken hatten sich aus den wirklich üblen Sachen herausgehalten. Entsprechend wenig wurden von den betreffenden Staaten unternommen, womit das kein Treiber für deren Staatsverschuldung war. Hier ist die Ansicht von Blockupy schon von vornherein Unsinn.

      Spanien und Irland hatten mit Immobilienblasen zu kämpfen, induziert durch für diese Länder zu niedrige Zinsen der EZB. Hier könnte man hinterfragen, was die EZB damit zu tun hatte (die auch nicht unabhängig von der Fed agieren konnte, die die Zinsen zu niedrig hielt). Aber die Konsequenz zu ziehen, daß die EZB _höhere_ Zinsen hätte fahren müssen, das schafft Blockupy dann wieder nicht. Stattdessen wird umgekehrt Stimmung für die direkte Monetarisierung von Staatsschulden gemacht, sprich Inflationierung, die letztlich die breite Masse der Bevölkerung und gerade die Armen treffen würde. Getreu dem Motto: Irgendeine andere Welt ist möglich!

  2. Frankfurter sagt:

    sorry, die Iren haben ihre Banken gerettet, daher stammen die Staatsschulden auch die deutschen Staatsschulden stammen allen zu 8% aus den Verlusten der HRE. Die Rettung Griechenlands war eigentlich die Rettung der Banken, die Griechenland Geld geliehen haben unter anderem der Commezbank. – Es kann deoch nicht sein, dass sich alles immer nur um die Banken dreht und wir die normalen Menschen einfach verhungern lassen – aber ihr scheint ja keinen Deut weiterzudenken und den Moloch Banken gerne euer Geld zu geben.

    • eugen sagt:

      Wir sind für eine Trennung von Staat und Wirtschaft, d. h. Kapitalismus. Das bedeutet, daß Staaten nicht Unternehmen „retten“ oder Druck auf andere im Interesse von Unternehmen ausüben sollten. Und das bedeutet, daß insolvente Unternehmen eben bankrott gehen. Und Banken sollten Unternehmen wie alle anderen sein. Wir finden es ungehörig und unsinnig, schlecht geführte Unternehmen per Zwang der Steuereintreibung auf Kosten ihrer besser geführten Konkurrenten und der breiten Masse, insbesondere auf Kosten von armen Leuten zu finanzieren.

      Was Sie beschreiben, ist die Abwesenheit von Kapitalismus und die Konsequenz von Staatswirtschaft. Wenn wir Sie richtig verstehen, scheinen Sie dann die Lösung in einem Rückzug des Staates aus der Wirtschaft zu sehen, genauso wie wir. Auch der Euro ist ein planwirtschaftliches Projekt der Staaten und nicht Ausdruck eines Marktgeschehens.

      Im Kommentar unten wurde nur auf die Geschichtsklitterung hingewiesen, daß die „Bankenrettung“ die Ursache für die Haushaltslage beispielsweise des griechischen, portugiesischen oder italienischen Staates war, weil dort gar nicht viel „gerettet“ wurde. Diese Staaten haben sich aus ganz anderen Gründen so abgewirtschaftet. Auch bei vielen anderen Staaten war die „Bankenrettung“ nur ein Anteil: Beispiele wären Deutschland, Großbritannien, Belgien, Niederlande, Frankreich, Spanien oder die USA. Nur in wenigen Fällen war die „Bankenrettung“ der Hauptteil. Uns fällt bloß Irland und Island auf Anhieb ein.

  3. Hans Kolpak sagt:

    Das schuldenbasierte Wirtschaften trübt den Blick auf die länderspezifischen Eigenheiten. Auch Einzelpersonen und Unternehmen dürfen wirtschaften. Sie werden nicht gezwungen, sich zu verschulden oder sich alimentieren zu lassen.

    Der ersatzlose Wegfall des Länderfinanzausgleichs gibt die Verantwortung vollumfänglich in die Hand der einzelnen Länder zurück. Davon unberührt bleiben Solidarzahlungen bei Naturkatastrophen und Unglücken, vergleichbar mit Versicherungsleistungen.

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