Edisons neueste Erfindung

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aus der Freisinnigen Zeitung, 28. Mai 1891

Die neueste Erfindung, mit der Edison gegenwärtig für die Columbus-Ausstellung in Chicago beschäftigt ist, bezweckt in Verbindung mit seinem, zu diesem Zweck noch zu vervollkommnenden Phonographen auch die photographische Aufnahme irgend eines Vorganges, z. B. eines lebenden Bildes, eines Boxer-, Stier- oder Hunde-Preiskampfes an Ort und Stelle desselben und Uebertragung des so gewonnenen Bildes mittels elektrischen Drahts und eines sogenannten „Ticker’s“ auf eine zu diesem Zweck präparirte weiße Fläche auf beliebige Entfernungen hin in’s Werk zu setzen. Dann kann man also z. B. eine Oper nicht blos zu Hause auf phonographischem Wege hören, sondern gleichzeitig, wenn zufällig „Rheingold“ gegeben wird, die den Nibelungenschatz bewachenden Rheintöchter in ihrem großen Aquarium herumplätschern und Alberich ihnen auf dem schlüpfrigen Gestein nachkriechen sehen. Die durch Edison’s neue Erfindung sich eröffnende Perspektive ist einstweilen noch unbemeßbar; bringt er irgendwo in aller Stille seinen neuesten Apparat an, so ist es um alle intime Heimlichkeit an den ihm zugänglichen Oertlichkeiten geschehen.

Siehe auch: Ein elektisches Haus – Freisinnige Zeitung, 22. Mai 1891

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