Unter dem Radar: Gary Johnson

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Gary Johnson beim Aufstieg zum Everest

Völlig unbemerkt von den deutschen Medien hat Gary Johnson, der Kandidat der Libertarian Party für die amerikanische Prädidentschaft, weiter gute Umfrageergebnisse eingesammelt.

Wer für eine dritte Partei antritt, hat in den USA vieles gegen sich: eine geringere Aufmerksamkeit der Wähler und Geldgeber, weil nur den Kandidaten der Demokraten und Republikaner ernsthafte Chancen zugetraut werden, oder die Schwierigkeit, zu Fernsehdebatten eingeladen und allgemein von den Medien wahrgenommen zu werden.

Wenn ein Kandidat es schafft, diese Mauer des Schweigens zu durchbrechen, dann kann er die Wahl aufmischen. Klassische Beispiele sind hier etwa Ross Perot für die Reformpartei oder Ralph Nader von den Grünen. Der Libertarian Party ist dies in den vierzig Jahren ihres Bestehen noch nicht gelungen; ihr beste Ergebnis bei einer Wahl lag bei leicht über einem Prozent der abgegebenen Stimmen.

Doch diesmal sieht es weit besser aus. Der zweimalige Gouverneur von New Mexico Gary Johnson ist zwar landesweit immer noch wenig bekannt, kann aber in den Umfragen trotzdem in einem Rennen mit Barack Obama und Mitt Romney auf zwischen fünf und zehn Prozent der Stimmen rechnen. Nach einer aktuellen Umfrage von IBOPE Inteligência liegt das Potential für den Kandidaten einer dritten Partei bei bis zu 20% der Wählerschaft, wobei 18% Gary Johnson positiv gegenüberstehen. Zu schaffen macht ihm allerdings sein immer noch geringer Bekanntheitsgrad: 61% sagt sein Name bislang noch nichts.

Ebenfalls ermutigende Ergebnisse kommen vom Umfrageinstitut PPP für ein Rennen zwischen Barack Obama, Mitt Romney und Gary Johnson. Letzterer könnte dabei mit folgenden Stimmanteilen rechnen:

Und auch Reason-Rupe sieht Gary Johnson auf ähnlichem Niveau in Wisconsin mit 5% der Stimmen (Stand: 24. Mai 2012).

Gary Johnson findet hierbei Zuspruch unter anderem von Anhängern des libertären Flügels der Republikaner und von Unabhängigen, die mit Mitt Romneys Ausrichtung nicht einverstanden sind. Hier vermuten wir, könnten die Demokraten versuchen, Gary Johnson aufzubauen, um in dem mittlerweile als knapp eingeschätzten Rennen den Republikanern zu schaden.

Dazu paßt etwa, daß das Meinungsforschungsinstitut PPP den Demokraten nahesteht und — bislang eher ungewöhnlich — auch den Kandidaten der Libertarian Party in seine Befragungen aufgenommen hat. Allerdings könnte die Kalkulation ein Bumerang werden, weil Gary Johnson ebenso gut Demokraten und zu den Demokraten lehnende Unabhängige mit seiner Mischung aus „fiscal conservatism“ und „social liberalism“ (zu deutsch einfach: Liberalismus) ansprechen kann.

Wir werden weiter als fast einziges Medium in deutscher Sprache über die Kampagne und ihren Fortgang berichten. Hier einige ältere Artikel von uns:

Stay tuned …

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