Die Revolution: Amerikanisches Bier

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Wenn es für etwas Verachtung in Deutschland gibt, dann amerikanisches Bier. Angeblich der Beweis, daß man Wasser verdünnen kann. Keine schlechte Bescheibung vielleicht für Marken wie Miller oder Budweiser. Aber wenn man einmal darüber nachdenkt, woher diese Marken kamen, ist es fast unvorstellbar: Deutsche Einwanderer wie Friedrich Eduard Johannes Müller (amerikanisiert als Frederick Miller), Eberhard Anheuser und Adolphus Busch gründeten etwa Miller, Anheuser und Busch.

Wie konnte es nur dazu kommen?

Eigentlich hätten die Vereinigten Staaten ein Bierparadies werden sollen. Wie die anderen Gründerväter war auch Benjamin Franklin ein begeisterter Biertrinker. Seine Wertschätzung für den Gerstensaft brachte er dabei in diese unübertroffenen Worte:

„Bier ist der Beweis, daß Gott uns liebt und möchte, daß wir glücklich sind.“

Und mit den zahlreichen deutschen, österreichischen, niederländischen, tschechischen, britischen und irischen Einwanderern sammelte sich in Amerika eine kritische Masse nicht nur an versierten Brauern, sondern auch an anspruchsvollen Connaisseurs, die die Brauer auf Trab hielten. Um 1870 gab es dementsprechend mehr als 4.000 Brauereien im Lande, um 1900 nach einer Konsolidierung immer noch 1.500.

Doch was so hoffnungsvoll begann, sollte erst noch durch ein Jammertal gehen. Etwas verspätet begeisterten sich die Amerikaner nämlich in der „Progressive Era“ um die Wende zum 20. Jahrhunderts für die europäische Mode, die Gesellschaft zu planen und die Bürger zu bevormunden. Schon vor dem ersten Weltkrieg gewann die Prohibitionsbewegung an Schwung, die sich das unbescheidene Ziel setzte, fast jedes Übel durch ein Verbot von alkoholischen Getränken zu beseitigen: häusliche Gewalt, Faulheit am Arbeitsplatz, Korruption und die Integrationsunwilligkeit von biertrinkenden Einwanderern.

Der Weltkrieg war dann der Vater weiterer Eingriffe. Angeblich um Getreide zu sparen, setzte Präsident Wilson 1917 zuerst den Alkoholgehalt von Bier herab, ein erster Schritt zur Verwässerung der amerikanischen Bierkultur, und verbot Bier dann kurz darauf für den Rest des Krieges ganz. Dabei spielte die Hetze gegen die deutschen Einwanderer eine wichtige Rolle, denen unterstellt wurde, sie wollten im Auftrag des Kaisers mit Bier (mit Bier?) die Wehrfähigkeit der amerikanischen Soldaten untergraben. Wayne Wheeler, Proponent der Anti-Saloon League, drängte die Bundesregierung „eine Anzahl Brauereien im Land“ zu untersuchen, „die teilweise ausländischen Feinden gehören“. Die Propaganda hatte schließlich Erfolg: Mitternacht 16. Januar 1920 erreichte die amerikanische Bierkultur ihren Nadir. Alle Brauereien wurden geschlossen.

Die Prohibition läutete bekanntlich nicht das goldene Zeitalter ein, das ihre Propheten ausgerufen hatten. Nach langen Qualen war am 5. Dezember 1933 Schluß mit dem Spuk. Doch die Amerikaner hatten mittlerweile schon viel von ihrem Biergeschmack verlernt. Nur wenige Brauereien konnten sich wieder etablieren. Und als der zweite Weltkrieg begann, drängte der amerikanische Staat die Brauereien dazu, das Militär mit labbrigem Bier zu beliefern. Die so entwöhnten GIs bildeten in der Nachkriegszeit ein williges Publikum für die wenigen Marken, die einige wenige Konzerne durchdrückten. Um 1980 gab es in den USA nur noch etwa 50 verschiedene Brauereien.

Was den Konzernen dabei half, war der Mangel an Alternativen. Aus der Prohibition war das Verbot übriggeblieben, Bier selbst zuhause zu brauen. Doch im Untergrund begann sich die Gegenbewegung zu formieren. Hart am Rande der Illegalität veröffentlichte Charlie Papazian 1976 „The Joy of Brewing“ mit einer Anleitung zum Selberbrauen, die sich zu einem Renner entwickelte. Endlich hatte 1979 der amerikanische Staat ein Einsehen. Nicht etwa Ronald Reagan, sondern Jimmy Carter setzte neben anderen Deregulierungen, z. B. bei den Fluglinien, auch durch, daß ab nun wieder zuhause gebraut werden durfte.

Von da an ging es nur noch aufwärts. Was im Kleinen anfing, gewann über die Zeit immer mehr an Fahrt. Überall im Land entwickelten sich Hausbrauer zu Microbreweries, die den großen Konzernen mit ihren Craft Beers erfolgreich Paroli boten. Und so gibt es heute in den USA wieder mehr als 1.400 Brauereien und mehr Marken als in jedem anderen Land. Während nun ihre deutschen Kollegen im Reinheitsgebot versauern, warten die amerikanischen Brauereien dabei mit vielen innovativen Ideen auf wie etwa „He’Brew – The Chosen Beer“ der Shmaltz Brewing Company. Und nicht nur mit mehr Marken, sondern mit Marken, die sich auch mit den besten in Deutschland messen können. Bei der Olympiade, dem World Beer Cup, räumen die Amerikaner damit regelmäßig die Preise ab.

Wer jetzt immer noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, dem sei dieser entspannte Beitrag von Reason TV „Beer: An American Revolution“ empfohlen:

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