Das Befinden des Kaisers – Freisinnige Zeitung, 5. Juni 1888

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Kaiser Friedrich und seine Frau Victoria als Kronprinzenpaar um 1870

Der Sonntag verlief, wie Wolffs Telegraphenbureau berichtet, für den Kaiser günstiger als die vorangegangenen Tage. Die frühere Ermüdung war gewichen. Nach einer gut verbrachten Nacht fuhr der Kaiser um halb 11 Uhr mit der Kaiserin im Ponyfuhrwerk in den Schloßanlagen eine Stunde spazieren. Um halb 12 Uhr hörten die Majestäten Gesangsvorträge des- Zwölf-Apostel-Kirchenchores, welcher im Muschelsaale aufgestellt war. Um 1 Uhr empfing der Kaiser den zum Gesandten in München ernannten Geh. Legationsrat Grafen zu Rantzau. Um 2 Uhr fand das Diner statt, an welchem die Kronprinzessin, die erbprinzlich meiningschen Herrschaften, der Botschafter v. Schweinitz, Fürst Radolin etc. teilnahmen. Nachher promenirte der Kaiser längere Zeit im Schloßpark. Die Majestäten begaben sich um 6 Uhr nach dem Marmorpalais zur Kronprinzessin, wo sie über eine Stunde verweilten.

Auch die Nacht zum Montag war recht gut, und der Kaiser fühlte sich nach kräftigem Schlafe erfrischt. Er begab sich um 10 Uhr in den Park und arbeite[te] von 11 Uhr ab mit dem Chef des Civilkabinets.

Eine Ausfahrt unternahm der Kaiser am Montag Vormittag nicht; er hielt sich längere Zeit auf der Terrasse auf. Bei der am Vormittag stattgehabten Konsultation der Aerzte wurde beschlossen, von einer Bulletin-Ausgabe noch Abstand zu nehmen. Der nächste und für lange Zeit voraussichtlich letzte Aerztebericht soll erst am Mittwoch erscheinen.

Für Montag Nachmittag war eine Ausfahrt des Kaisers geplant.

Siehe auch unsere Berichterstattung zu den letzten Tagen des Kaisers Friedrich:

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