Das Befinden des Kaisers – Freisinnige Zeitung, 7. Juni 1888

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Am Dienstag gegen Abend machte der Kaiser mit der Kaiserin, begleitet von Mackenzie und dem Flügeladjutanten von Kessel, im offenen Wagen eine Spazierfahrt nach Bornstedt und wurde von den Bornstedtern sehr herzlich begrüßt. Er passirte sodann Wildpark.

Die Nacht zum Mittwoch verlief für den Kaiser ziemlich gut. Derselbe fühlte sich am Morgen frisch und ist um 10 Uhr aufgestanden.

Das Mittwoch ausgegebene amtliche Bulletin lautet:

Se. Majestät der Kaiser hat sich war nach der Uebersiedelung von Charlottenburg nach Schloß Friedrichskron einige Tage etwas angegriffen gefühlt, befindet sich aber zur Zeit ziemlich wohl. Der Kräftezustand ist befriedigend. Mackenzie. v. Wegner. Krause. Leyden. Bardeleben. Senator. 

Nach der Konsultation begab sich der Kaiser auf die Terrasse und in den Garten und fuhr im Ponywagen im Park spazieren. Im Laufe des Vormittags nahm er die regelmäßigen Vorträge entgegen und arbeitete von 12 Uhr ab längere Zeit mit dem Chef des Civilkabinets, v. Wilmowski. Am Diner nahm nur die Tochter der erbprinzlich sachsen-meiningenschen Herrschaften, Prinzessin Feodora Teil. Für den Nachmittag war wieder eine Ausfahrt beabsichtigt.

Zur Heilung des wilden Fleisches am Halse des Kaisers ist, wie wir bereits einem Teil unserer Leser mitteilten, uns von zuverlässiger Seite in Ergänzung der gestrigen Nachrichten mitgeteilt worden, daß es sich um dasjenige wilde Fleisch handelt, welches im Umfange der Luftröhrenwunde entstanden ist, dagegen nicht um das eigentliche Kehlkopfleiden, dessen Natur bis jetzt schwerlich genau zu übersehen ist. Immerhin sei es ein großer Gewinn, wenn die Umgebung der Wunde wieder ganz in Ordnung komme.

Der Maler Angeli hat eine Einladung an den kaiserlichen Hof erhalten, um ein Portrait des Monarchen anzufertigen.

Schloß Sanssouci soll zum Wohnen eingerichtet und mit Schloß Friedrichskron telephonisch verbunden werden.

Briefschaften der Kaiserin. Der „Berliner Lokalanzeiger“ hatte gemeldet, daß die Kaiserin befohlen habe, die für sie eingelieferten Briefe nicht ans Hofmarschallamt, sondern von der Post direkt in ihre Gemächer zu bringen. Die „Post“, welche sich mitunter stellt, als ob ein Beamter des Hofmarschallamtes ihr Reporterdienste verrichte, bezeichnet diese Nachricht als völlig aus der Luft gegriffen.

Siehe auch unsere Berichterstattung zu den letzten Tagen des Kaisers Friedrich:

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