Bryan Caplan über Murray Rothbards „For a New Liberty“

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Murry Rothbards „For a New Liberty“ ist wohl neben David Friedmans „The Machinery of Freedom“ einer der beiden Klassiker des Anarchokapitalismus. Das Werk ist mittlerweile auch online erhältlich. Allerdings hat es einige Schwächen. Bryan Caplan von EconLog geht Kapitel für Kapitel durch das Buch, faßt den Inhalt zusammen und — besonders interessant — kommentiert diesen dann mit zustimmender und ablehnender Kritik. Je nachdem entspinnt sich hierauf eine Diskussion der Leser zum Thema.

Wir haben Links zu den Artikeln über die einzelnen Kapitel zusammenstellt. Die Titel sind von uns und stammen nicht aus dem Buch. Stichwortartig haben wir nur die wesentliche ablehnende Kritik von Bryan Caplan an Rothbard zusammengestellt, weil diese vielleicht am interessantesten ist:

  1. Geschichtliche Einleitung – Kritik: die Gründungsväter waren stärker bei der Rhetorik als bei den Taten, die Sklaverei machte die Revolution absurd: gemeinsame Sache mit Sklavenhaltern, um ein paar nicht sehr bedeutenden Steuern der Briten zu beseitigen
  2. Eigentum und Handel – Kritik: indem man etwas „natürlich“ oder „absolut“ nennt, hat man noch nichts bewiesen, bei Rothbard führt das nur zu Argumenten, die das Offensichtliche aus dem Obskuren herleiten
  3. Staat – Kritik: schädliche Politik wird oft von der Irrationalität der Wähler getrieben, ein wirklich so zynisch agierender Staat wie in Rothbards Beschreibung würde Organhandel an sich ziehen und Immigration auszubeuten suchen und nicht unterbinden
  4. Problemfelder – Kritik: willkürliche Zusammenstellung von Modethemen
  5. Sklaverei, Steuern – Kritik: teilweise nicht mehr aktuell, z. B. Wehrpflicht
  6. Bürgerliche Freiheiten – Kritik: in sich widersprüchlich
  7. Staatliche Schulen – Kritik: Rothbard ignoriert Gegenargumente
  8. Wohlfahrtsstaat – Kritik: der Wohlfahrtsstaat in den USA ist für die Alten und nicht die Armen da, denen es im Weltmaßstab bereits recht gut geht, die wirkliche Kritik wären die Restriktionen gegen Freizügigkeit
  9. Keynesianer gegen Österreicher – Kritik: beide könnten Unrecht haben, die Anhänger der österreichischen Schule gehen davon aus, daß Unternehmer das monetäre Umfeld systematisch komplett falsch einschätzen, was dann auch gegen die Unternehmer sprechen würde
  10. Staatliche Unternehmen – Kritik: Rothbard übertreibt und ignoriert Gegenargumente
  11. Privatisierung von öffentlichen Straßen und Plätzen – Kritik: nicht überzeugend, eine Privatisierung ist nicht so einfach, wie Rothbard meint, er ignoriert Gegenargumente
  12. Anarchokapitalismus – Kritik: Rothbard drückt sich um die schwierigen Fragen der Verteidigung und des Übergangs herum 
  13. Schutz der Umwelt – Kritik: Rothbards absolute Lösung funktioniert nicht, weil es eine vollständige Vermeidung von Verschmutzung nicht geben kann
  14. Außenpolitik – Kritik: Rothbard ist darauf fixiert, die USA als den Bösewicht darzustellen und übergeht den großen Unterschied zwischen der amerikanischen Außenpolitik und der der Sowjetunion
  15. Strategie – Kritik: von den Marxisten kann man vielleicht zynisches Vorgehen lernen, aber Bryan Caplans Gegenvorschlag ist für uns einleuchtender: „Personal integrity plus a big friendly tent.“
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