Judenhetze versucht die „Kreuzzeitung“ anzustacheln – Freisinnige Zeitung, 13. Juni 1888

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Judenhetze versucht die „Kreuzzeitung“ anzustacheln aus Anlaß des Sturzes Puttkamers [d. i. die Entlassung Puttkamers durch Kaiser Friedrich am 8. Juni 1888]. Das Blatt schreibt, wie folgt: „In der That handelt es sich um eine Mobilmachung des mit der Demokratie verbündeten Judentums unter heuchlerischer Drapirung mit Loyalität und Königstreue. Bestätigt es sich, was man sich erzählt, daß der Plan besteht, die Maßregeln gegen die Sozialdemokraten zum Theil aufzuheben, so ist die Triple-Alliance fertig. Die konservative Partei, wenn sie sich entschlossen auf die eigenen Füße stellt, hat von diesem Dreibund am wenigsten zu fürchten. Sie hat dem Volke die Augen zu öffnen über die neue Aera des Wucher- und Gründerwesens, welche hereinzubrechen droht, und dasselbe aufzurufen zum entschlossenen Widerstand gegen das Joch einer „freisinnigen“ Judenherrschaft.“ — Unseres Erachtens hat die konservative Partei überhaupt keine „eigenen Füße“, sondern fällt auf die Erde in dem Augenblick, wo ihr die Stelzfüße der behördlichen Wahlbeeinflussung entzogen werden. In der „Aera des Wucher- und Gründerwesens“, an welche die „Kreuzzeitung“ denkt, hat bekanntlich nichts weniger als eine „freisinnige Judenherrschaft“ bestanden. Die schlimmsten Gründer waren bekanntlich hochadlige Herren aus dem Lager der Kreuzzeitungspartei. Daß die „Kreuzzeitung“ übrigens in dieser Weise an den Antisemitismus appellirt, wie es vorstehend der Fall ist, beweist auf das deutlichste, daß mit Herrn von Puttkamer auch der Hauptprotektor des Antisemitismus gefallen ist.

Siehe auch unsere Berichterstattung zu den letzten Tagen des Kaisers Friedrich:

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