Eine Telephonsperre – Freisinnige Zeitung, 14. Juni 1888

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Eine Telephonsperre ist in Potsdam für alle Berliner Zeitungssredaktionen eingetreten, angeblich auf Verfügung des Herrn von Stephan. Auch sind die Besitzer von Privatanschlüssen in Potsdam aufgefordert worden, keiner dritten Person die Benutzung des Telephons zu gestatten. Für die Station Wildpark ist die Telephonbenutzung Privaten überhaupt untersagt worden. — Wir verstehen den Zweck dieser Maßregel nicht. Potsdam und Wildpark liegen so nahe bei Berlin, daß die Sperrung der Telephonverbindung eine Verzögerung der Uebermittelung von Nachrichten nach Berlins um etwa dreiviertel Stunden bewirkt. Das Publikum der Hauptstadt hat aber in dieser Zeit voll und ganz den Anspruch darauf, stets so rasch wie möglich über das Befinden des Kaisers unterrichtet zu werden. Je mehr Mitteilungen darüber allen Blättern erleichtert werden, desto sicherer wird der Verbreitung ungerechtfertigt pessimistischer Nachrichten in Berlin entgegengewirkt werden. Unseres Wissens ist es übrigens das erste Mal seit Einführung des Telephons, daß die Behörden auch den Telephonverkehr einer Censur zu unterwerfen suchen. Damit wird uns wiederum eine Schattenseite des Staatsmonopols auch bei dieser Verkehrseinrichtung vor Augen geführt.

Siehe auch unsere Berichterstattung zu den letzten Tagen des Kaisers Friedrich:

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