Kooperativküche geschlossen – Freisinnige Zeitung, 24. Juni 1891

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Angeregt durch Bellamys Phantasiebilder war, wie wir der „Nationalzeitung“ entnehmen, in dem Städtchen Hartwell im Staate Ohio von den Hausfrauen beschlossen worden, unter Aufhebung der Privatküchen eine Kooperativküche nach der Zeichnung von Bellamy zu begründen. Selbstverständlich wurde die Frau Bürgermeisterin auch Präsidentin der Kooperativ-Küche. Da nun sie selbst und vielleicht ihr Herr und Gebieter gerne Hammelbrühe mit Schnittbohnen und ähnliche Delikatessen genossen, so kamen diese fast täglich auf den Speisezettel und auf den Tisch der Kooperativ-Esser. Eine Zeit lang ließen diese sich die Sache gefallen; schließlich revoltirten aber ihre, vielleicht etwas empfindlich konstruirten Gaumen und Mägen: die Hausherren, welche sich nicht so leicht helfen konnten, als die „Ice Cream“ und „Candi“ naschenden Damen, strikten, d. h. sie aßen nicht mehr zu Hause, sondern hatten des Abends dringende Geschäfte in der Stadt zu besorgen, die Zahl der Küchen-Abonnenten wurde immer geringer und bestand zuletzt nur noch aus der Frau Bürgermeisterin und ihrem Gemahl, so daß jetzt nach etwa fünfmonatlichem Bestehen die Kooperativküche geschlossen werden mußte.

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