Die Hölle des brutalen Marktes

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von Henning Helmhusen

Die Marktjünger beten täglich fünfmal auf ihren Gebetsteppichen gen Wallstreet und wollen uns weismachen, dass der Markt die beste aller Welten ist. Ihr Mantra ist immer dasselbe: Der Markt löst alle unsere Probleme und er liefert alles, was wir gerne hätten.

Wie falsch das ist und wie dringend wir staatliche Eingriffe brauchen, möchte ich einmal dem Leser demonstrieren. Denn der hochgelobte Markt produziert in Wirklichkeit bloß eines: ein Marktversagen nach dem andern.

Hier nun drei Beispiele aus dem Alltag:

Vor einer Diskothek.

Türsteher: Hi!

Gast (vorwurfsvoll): Grüßgott! — Aber erstmal hätte ich eine Frage an Sie.

Türsteher: Schieß los.

Gast: Warum haben Sie nicht schon nachmittags geöffnet? Ich war um vier Uhr da, und da war alles dicht. Jetzt mußte ich bis zehn Uhr abends warten, bis ich ausgehen konnte.

Türsteher: Warum willst Du denn schon um vier Uhr ausgehen?

Gast: Meine Sache. Ich fands nur unmöglich, dass Sie da geschlossen haben.

Türsteher: Sonst noch was?

Gast: Wenn Sie so fragen. Das letzte Mal hab ich mich über die Musik geärgert.

Türsteher (teilnahmslos): Echt?

Gast: Ja, die ganze Zeit lief irgendwelcher Hiphop. Ich habe den Disko-Jockey mehrmals drauf hingewiesen, dass er Volksmusik spielen soll. Aber der hat mich nur ausgelacht.

Türsteher (muss lachen): Das ist wirklich was schwierig.

Gast: Also können Sie vielleicht mit dem Geschäftsführer sprechen, dass heute Volksmusik gespielt wird?

Türsteher (augenzwinkernd): Bestimmt!

Gast (wartet, dass der Türsteher etwas unternimmt): … Und? Gehen Sie jetzt?

Türsteher: Hey, das war doch nur ein Witz.

Gast: Das ist ja unfassbar! (Er geht wütend ab und schreibt eine antikapitalistische Petition an den Bundestag.)

Im Telefonladen.

Verkäuferin: Guten Tag!

Kunde (vorwurfsvoll): Grüßgott!

Verkäuferin: Womit kann ich dienen?

Kunde: Ich hätte gerne ein Handy mit einem ganz langen Kabel, mindestens ein Kilometer.

Verkäuferin: Tut mir leid, so was haben wir nicht. Aber wozu brauchen Sie denn überhaupt ein Kabel?

Kunde: Ich will doch nicht nur zuhause damit telefonieren. Ein Handy braucht man außer Haus. Und ein Kilometer ist dann gar nicht so weit, wie Sie vielleicht denken.

Verkäuferin: Das geht doch drahtlos.

Kunde: Das glaube ich nicht. — Und außerdem sollte das Handy auch eine Wählscheibe haben.

Verkäuferin (verblüfft): Eine Wählscheibe?

Kunde: Ja, natürlich. Was dachten Sie denn? Soll ich mir etwa die Finger wundtippen, wenn ich mal eine SMS schreiben will?

Verkäuferin: Es gibt keine Handys mit Wählscheibe.

Kunde: Die muss es aber geben! — Sie sind nur zu faul, im Lager nachzuschauen.

Verkäuferin: Nein, es gibt einfach keine.

Kunde: Das ist ja unfassbar! (Er geht wütend ab und gründet eine antikapitalistische Bürgerinitiative.)

In einer Eisdiele.

Eis-Dealer: Buon Giorno!

Gast (vorwurfsvoll): Grüßgott!

Eis-Dealer: Sie wünschen?

Gast: Ich hätte gerne … im Hörnchen … also … ein Bällchen Kartoffel, ein Bällchen Sauerkraut und ein Bällchen Zwiebel.

Eis-Dealer: Tut mir leid, das haben wir nicht.

Gast: Na, gut, dann statt Zwiebel eben Tzaziki, das ist ja so ähnlich.

Eis-Dealer: Nein, ich meine, das haben wir alles nicht. Aber wir haben ganz viele Sorten Fruchteis: Ananas, Banane, Mango, Kirsche —

Gast (unterbricht ihn): Wer will denn so was? Und soll das etwa heißen, dass Sie nicht mal Sorten wie Kebab, dicke Bohnen oder Blutwurst haben?

Eis-Dealer: Nein.

Gast: Das ist ja unfassbar! (Er geht wütend ab und schreibt einen Artikel für eine antikapitalistische Zeitschrift.)

Diese und viele weitere Satiren finden sich auch im neuen Buch von Henning Helmhusen bei Libera Media (erhältlich über Amazon): „Lachen gefährdet Ihre Gesundheit“

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