Helmpflicht erste Bürgerpflicht

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Dieser Tage berichtete BILD, das investigative Nachrichtenmagazin, unter der Schlagzeile „Kommt die Helmpflicht für Radfahrer jetzt doch noch?“:

„Dürfen Fahrradfahrer künftig nur noch mit Helm auf die Straße? Die Diskussion über eine generelle Helmpflicht für Radler in Deutschland ist wieder aufgeflammt.

Hintergrund sind die immer häufigeren Verkehrsverstöße durch Fahrrad-Rowdys. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat jetzt ein Einschreiten der Politik gefordert. GdP-Chef Bernhard Witthaut regte an, die Radfahrer durch höhere Bußgelder zu disziplinieren.

Der Bundesverkehrsminister hält davon aber wenig. Stattdessen droht Peter Ramsauer (CSU) mit einer Helmpflicht, wenn auch nur perspektivisch: „Ich will das Bewusstsein dafür schärfen, dass der Helm mehr Sicherheit schafft und Leben retten kann.“

Die Logik ist gelinde gesagt etwas kaputt. Wie es da steht, soll die Helmpflicht nicht einmal Ausfluß eines Paternalismus sein, der meint, dumme Bürger vor sich selbst schützen zu müssen, sondern Kollektivstrafe für alle Radler wegen einiger Rüpel unter ihnen. Das war nicht ganz das Argument von Herrn Ramsauer.

Aber seines ist nicht weniger kaputt. Wie das Boulevardblatt „Süddeutsche Zeitung“ schon letztes Jahr mitteilte, geht es dem Bundesverkehrsminister um die Erfüllung eines Plansolls:

„Ramsauer erneuerte seine Drohung mit einer Helmpflicht für Radfahrer für den Fall, dass die Tragequote von jetzt etwa neun Prozent nicht auf mehr als 50 Prozent steige.“

Der Grund:

„2010 starben 3648 Menschen im Straßenverkehr. Bezogen auf die Zahl von etwa 21.300 Verkehrsopfern 1970 und auch mit der allgemeinen Verkehrszunahme ist das ebenso ein Erfolg wie im internationalen Vergleich. „Trotzdem ist jeder Tote einer zu viel“, sagte der Minister.“

Doch warum in aller Welt würde Herr Ramsauer sich dann mit einer Quote von 50% zufrieden geben? Jeder Tote ist schließlich einer zu viel. Und weshalb bei den Radlern stehenbleiben? Wenn die Diskussion von sogenannten Fahrrad-Rowdys ausging, dann wäre es doch wohl naheliegender, den Fußgängern einen Helm aufzuzwingen. Wer A sagt, muß auch B sagen.

Und wer A und B sagt, der muß auch C sagen. Die meisten Unfälle passieren nämlich im Haushalt. Von daher darf Herr Ramsauer sich nicht allein auf eine Helmpflicht für alle außer Haus beschränken, sondern muß a forteriori auch eine Helmpflicht im Haushalt verlangen. Helmpflicht von morgens bis abends, Helmpflicht von der Wiege bis zur Bahre.

Am einfachsten wäre es wohl, dazu den Grundrechtskatalog der Verfassung wie folgt zu erweitern:

„Alle DeutschINNen haben das Recht, sich der unveräußerlichen Pflicht zum Tragen eines Schutzhelms zu unterwerfen, sofern nicht eine Tragequote von 100% auf freiwilligem Wege zustandekommt.“

Wir rechnen es uns als großes Verdienst an, als erste diese Lücke in der deutschen Regulierungslandschaft entdeckt zu haben, und nehmen Wetten entgegen, bis wann sie geschlossen sein wird.

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