Eugen Richter über Steuern

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aus: Der Reichskanzler und die Stadt Berlin, Vortrag des Abgeordneten Eugen Richter gehalten in der Wähler-Versammlung des vierten Berliner Reichstagswahlkreises am 8. April 1881, Broschürenfonds der Deutschen Fortschrittspartei, Berlin 1881, Seite 10.

„Es giebt überhaupt gar keine vollkommen gerechte Steuer, und wer sich mit Steuerfragen sein Leben lang beschäftigt hat — nicht aber wie der Reichskanzler erst in letzter Zeit, nachdem er, wie er sagt, etwas mehr Zeit gewonnen hat — weiß, daß überhaupt keine vollkommene Steuer besteht und daß es deshalb nur darauf ankommt, eine möglichst wenig unvollkommene Steuer zu schaffen. Eben deßhalb kann man nur begrenzte Summen durch Steuern aufbringen. Solche Begrenzung ist die Aufgabe, der ich wesentlich mein parlamentarisches Wirken gewidmet habe. Es kommt darauf an, überhaupt die Ausgaben zu beschränken, damit man in die Lage kommt, die Steuern mäßig zu halten. Ich sage: alle Steuern sind mehr oder weniger ungerecht, und je mehr Ausgaben zu bestreiten sind, um so ungerechter wird das Steuersystem; denn je mehr Geld verlangt werden muß, desto eher wird die Nothwendigkeit hervortreten, das Geld da zu nehmen, wo man es am leichtesten bekommt. Das ist aber nicht ein Grundsatz der eine gerechte Vertheilung ermöglicht.“

 

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