Die unerträgliche Hitze im Juli

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Daß es offensichtlich eine Klimakatastrophe gibt, kann man an den extrem heißen Temperaturen im Juli 1881 sehen. Wenn das so weitergeht, dann werden die Menschen im Juli 2012 wahrscheinlich bei lebendigem Leibe geröstet!

Und natürlich versuchen die profitgeilen Amerikaner das Elend der Hitze durch Verkauf von Erfrischungsgetränken auszubeuten:

Neue Freie Presse, Wien, 16. Juli 1881

[Die Hitze.] In einem Berliner Blatte lesen wir: Die fast tropische Hitze der jüngsten Tage mit ihren Gefahren für alle, welche den Sonnenstrahlen durch langes Verweilen auf den Straßen dauernd ausgesetzt waren, legt die Frage nahe, welche Vorbeugungsmaßregeln gegen die Gefahren der Hitze getroffen werden können. Man wird gut thun, sich in dieser Beziehung an die Erfahrungen zu halten, welche in dem Lande der glühendsten Hitze, in Nordamerika, gemacht worden sind. Dort schützt man sich zunächst dadurch, daß man nasse große Kohlblätter in die Kopfbedeckung legt und ihre Anfeuchtung häufig wiederholt. Während sich auf dieses Mittel aus erklärlichen Gründen die Männerwelt beschränken muß, hat man besondere Aufmerksamkeit dem Erfrischen des ermatteten Körpers durch geeignete Getränke zugewendet. Wasser, Selterswasser — ganz gleichgiltig ob „mit“ oder „ohne“ — hat bei außergewöhnlicher Hitze nur den Erfolg, nach dem ersten Momente nach mehr schweißtreibend zu wirken und das Unbehagen zu vergrößern. In Amerika hat man sich demnach für die Limonade entschieden, welche nicht blos in allen Apotheken und Trinkhallen, sondern auch durch Hunderte von fliegenden Händlern an allen Straßenecken verkauft wird. Und in welch appetitlicher Weise! Jedes Glas wird vor den Augen des Käufers frisch bereitet. hinter seinen Bergen von Citronen, seinem großen Behälter mit Eiswasser und dem Zuckervorrath steht der Limonadenkünstler — denn in der Schnelligkeit der Bereitung hat er es zu einer Kunst gebracht — und braut aus diesen Ingredienzien mit Hilfe einer Citronen-Preßmaschine im Nu das erquickende Getränk, dessen Preis sich nach unserem Gelde je nach der Größe des Glases auf 10 bis 20 Pfennige stellt. — Die Hitze ist in Paris so enorm, daß gestern im Asphaltpflaster die Radfelgen und Pferdehufe sich abdrückten; in London herrscht gleichfalls eine seit Jahrzehnten nicht erlebte hohe Temperatur. — Man telegraphirt aus Newyork, 13. Juli: In den ganzen westlichen Staaten von Amerika hat in jüngster Zeit übermäßige Hitze geherrscht. Während der letzen paar Tage variirte das Thermometer von 100 bis 107 Grad Fahrenheit, und eine außergewöhnlich große Anzahl von Todesfällen an Sonnenstich hat stattgefunden. (100 Grad Fahrenheit sind ungefähr 30 Grad Réaumur.) In Cincinnati erlagen gestern 27 Personen dem Sonnenstich, während viele andere Todesfälle aus Indianapolis und Chicago, sowie aus den ländlichen Districten gemeldet werden. In Iowa ist in Folge des Austrittes der Flüsse nach den jüngsten Stürmen eine verheerende Ueherschwemmung eingetreten, worunter der Eisenbahnverkehr sehr leidet.

Daß die Amerikaner mittlerweile dazugelernt haben, zeigen die folgenden Videos, die den heroischen Kampf der Behörden gegen Limonadenstände dokumentieren: 

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