Wahlrede der „Goldenen 110“

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Auf der Leipziger Straße 110 befindet sich eines der bekanntesten Berliner Kaufhäuser für Textilien. Bekannt ist es insbesondere dadurch, daß die Gattin des Inhabers regelmäßig Reklamegedichte in Berliner Mundart verfaßt, die in den Zeitungen erscheinen, an Litfaßsäulen (einer Berliner Erfindung!) angeschlagen und sogar in eigenen Gedichtbänden herausgebracht werden. Immer wieder werden in den Gedichten aktuelle Ereignisse aufgegriffen, um in einem Hinweis auf die neuesten Angebote zu endigen.

Am 16. Juli 1881 geht es in einer Anzeige in der Berliner Gerichtszeitung beispielsweise um den Wahlkampf, wobei unter anderem auf das Wort Eugen Richters in seiner Rede am 5. Juli 1881 gegen den Sohn des Reichskanzlers Graf Wilhelm Bismarck angespielt wird:

„Der Kanzler mag seinem Sohne das Concept dictirt haben, diese Witze aber sind nicht vom Kanzler; der Kanzler macht bessere Witze. (Große Heiterkeit.) Er hat vielleicht gedacht, die Witze wenigstens könnte sein Sohn allein machen. (Große Heiterkeit.) Aber auch solche leichte Speere sind seinem Arme zu schwer.“

Ladenschluß und verordnete „Sonntagsruhe“ gibt es nämlich in Deutschland noch nicht, vgl. den Artikel „Sonntagsruhe“ im Politischen ABC-Buch von Eugen Richter, 1898.

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