Etwas mehr Mühe geben

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Bei „ef-magazin“ erregt sich Autor Axel B. C. Krauss in dem Artikel „Welt Online über die Krise: „Linke Propaganda“ von Baader bis Paul“ über den Beitrag „Deutschland droht nun selbst der Staatsbankrott“ von Michael Hörl bei Welt Online. In letzterem findet sich der Satz: „Und Europas Linke feiert mit der Hetze gegen Banken oder Spekulanten ein Comeback wie in den 1920ern.“

Ob die europäische „Linke“ hier wirklich ein Comeback feiert, sei einmal dahingestellt. Daß man jedenfalls Morgenluft wittert, ist aber offensichtlich. Krauss ereifert sich nun, daß Hörl damit behauptet habe, daß „Professor Eberhard Hamer, ein Professor Hankel, ein Dirk Müller, Marc Faber, Dieter Spethmann, ein Professor Bocker, ein Roland Baader, zahlreiche Autoren der „Austrian Economics“ und viele, viele andere Kritiker des herrschenden Geld- und Finanzsystems oder des Gebarens von Banken sich aus den Reihen ökonomisch ungebildeter „linker Hetzer“ rekrutieren.“

Mal ein kleiner Hinweis in Sachen Logik: Wenn „linke Hetzer“ gegen etwas wettern, dann ist nicht jeder, der das tut, ein „linker Hetzer“. Man mache sich den simplen Trugschluß notfalls an einem Beispiel klar: Wenn Flugzeuge fliegen, dann behauptet man auch nicht, daß Vögel Flugzeuge sind, weil sie auch fliegen.

Vielleicht lohnt es sich nicht einen Artikel zu kritisieren, der bereits mit einem derartigen Schnitzer losgeht, aber wir finden es doch irgendwie interessant. Zum einen würden wir daran erinnern, daß es einen Unterschied zwischen Zentralbanken und Banken gibt, den Herr Krauss nicht zu kennen scheint. Auch wenn es viele wirklich nicht wissen: die Deutsche Bundesbank ist etwas grundsätzlich anderes als die Deutsche Bank.

Von daher führt seine imposant gemeinte Aufzählung von Kritikern von Zentralbanken nicht wirklich weiter. Hörl gehört ja selbst dazu, wenn er etwa schreibt: „Als die vom billigen Staatsgeld aufgeblasenen Immobilien- und Börsenwerte platzten, erklärte man es einer ökonomisch ungebildeten Bevölkerung mit der Schuld von Banken oder Spekulanten.“  

Sicherlich dehnen viele der Zentralbankkritiker ihre Kritik auch auf Banken aus, was sich nach unserem Dafürhalten oft auch wirklich nicht sehr von der Kritik der „linken Hetzer“ unterscheidet. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied: Zentralbanken machen wirklich die Geldpolitik. Ist diese falsch, so ist es zutreffend, ihnen die Schuld dafür zu geben. Banken arbeiten unter den Bedingungen, die von den Zentralbanken gesetzt werden, und sind damit etwa so verantwortlich dafür wie jeder andere, der das auch tut.

Und dann: Wenn wir uns einmal Ludwig von Mises herausgreifen, auf dessen Autorität sich Herr Krauss bezieht. Der hat unseres Wissens zwar eine bestimmte Art der Zentralbankpolitik kritisiert, keineswegs aber Banken per se, nicht einmal Zentralbanken. Auch mit dem von ihm befürworteten Goldstandard hätte die „Euro-Krise“ übrigens genauso entstehen können wie mit jedem anderen geldpolitischen Arrangement.

Das Problem ist nämlich, daß Staaten sich so weit verschuldet haben und keine Anstalten machen, diese Schulden dauerhaft in den Griff zu bekommen, daß ihnen die Investoren ab einem gewissen Punkt eben nicht mehr weitere Schulden, sei es zum Rollen der alten, zugestehen. Das ist eine Frage, die sich am Markt für Kapital entscheidet, was nichts mit der Zentralbank zu tun hat. Wer es nicht glauben will: als sich der portugiesische oder griechische Staat und viele andere im 19. Jahrhundert unter dem Goldstandard ähnlich überzogen verschuldeten, kam es auch zum Staatsbankrott: für Portugal 1892 und für Griechenland 1893.

Bevor man andere von oben herab belehrt, sollte man sich doch wenigstens etwas mehr Mühe geben. Das gilt übrigens auch für Herrn Hörl, der in seinem Artikel zu viel beweist. Seine Argumente würden auch jede andere Währung treffen, wie den Schweizer Franken oder die verblichene D-Mark.

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