Bleibt Berlin Hauptstadt?

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Reichstag, Leipziger Straße 4 (Quelle: Wikipedia)

Die parlamentarischen Debatten 1881 spielen sich nicht etwa im heutigen Reichstagsgebäude ab, sondern in einem provisorischen Gebäude in der Leipziger Straße 4. Alle Planungen gehen schleppend voran, und so wird das neue Gebäude erst 1894 eröffnet werden, also erst nach 23 Jahren.

Als Drohung bringt Bismarck im Mai 1881 sogar ins Gespräch, die Regierung und das Parlament von Berlin in eine andere Stadt zu verlegen. Es gebe nach seiner Ansicht zu viele Berliner im Reichstag, sprich: zu viele Fortschrittler.

Am 7. August 1881 berichtet die Neue Freie Presse aus Wien, daß es doch nicht so schlecht für Berlin aussieht:

[Der Parlamentsbau in Berlin.] Die Frage des Baues des deutschen Reichstagsgebäudes, welche, wie man sich erinnern wird, vor einiger Zeit mit Hinblick auf die vom Fürsten Bismarck angedrohte „Decapitalisirung“ Berlins zu erregten politischen Discussionen Anlaß gegeben, wäre nunmehr, einer Berliner Depesche der „Schlesischen Presse“ zufolge, gelöst. Der Berliner Magistrat soll nämlich heute die amtliche Mittheilung vom dem Entschlusse der Regierung, den deutschen Parlamentspalast auf dem Königsplatze zu errichten, erhalten haben. Das genannte Blatt meint, daß damit die Drohung des Reichskanzlers hinfällig geworden sei.

Am 11. Mai 1881 machen sich die „Berliner Wespen“ über die Drohung des Reichskanzlers lustig:

Berlin wird Weltdorf!

 

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